Händel mit Herz – nicht nur für die Musik engagierte sich der große Meister

händel mit herz

Im Händelhaus gibt es wieder Neues zu entdecken. Unter der Leitung von Kuratorin Konstanze Musketa (Foto rechts) wurden mehrere Räume umgestaltet, um das Engagement Georg Friedrich Händels für das Londoner Foundling Hospital zu zeigen. Die Sonderausstellung  „Händel mit Herz – Der Komponist und die Kinder des Londoner Foundling Hospital“ wird die Besucher ein Jahr lang, bis zum 10. Januar 2017, begleiten. Auf großes Medieninteresse stieß schon die Vorstellung der Schau in dieser Woche.

Die Lage der Kinder, besonders aus ärmeren Schichten, war zu Händels Zeiten nicht nur in London prekär. Sie wurden ausgenutzt, ausgesetzt und verstümmelt, damit sie  als Bettler Mitleid erregen. Das betraf nicht nur Waisenkinder, sondern auch all jene, um die sich die Eltern aus vielerlei Gründen nicht kümmern konnten. In Halle gründete Francke 1695 seine „Armenschule“. In London öffnete – noch vor der endgültigen Fertigstellung – im Jahr 1739 das Londoner Foundling Hospital.

Man kümmerte sich hier hauptsächlich um uneheliche  Neugeborene, diese wurden besonders oft ausgesetzt. Schon am Eröffnungstag wurden 100 Babys abgegeben. Der Andrang war so groß, dass ein Lossystem eingeführt wurde.

Neue Ausstellung HändelhausNeue Ausstellung HändelhausDer Besucher der Ausstellung soll sich mit dieser Installation zum Aufnahmesystem des Hospitals in die Gefühle einer Mutter, die ihr Kind aussetzen musste,  einfühlen.

Die Kinder in der Einrichtung, deren Geburtsname nicht bekannt war, erhielten alle einen wohlklingenden neuen Namen.

Händel rührten diese Schicksale besonders an, wurde er doch selbst mit 12 Jahren zum Halbwaisen, konnte aber bei seiner Mutter und seinen Schwestern wohnen bleiben. Man nimmt an, dass er auch von den Ideen August Herrmann Franckes inspiriert wurde. Die Franckeschen Stiftungen haben dann auch diese Ausstellung unterstützt. Verschiedene Exponate, so ein Modell der Franckeschen Stiftungen, der Abdruck einer Büste Händels und  mehrere Gemälde, werden gezeigt.

Händel unterstützte das Hospital großzügig, er stiftete auch eine Orgel für die Kapelle. Die Einnahmen der Konzerte, die er dort gab, kamen dem Foundling Hospital zugute.  Von 1750 an wurde sein Oratorium „Messias“ in der Kapelle jährlich aufgeführt. Das kam nicht nur dem  Hospital zugute, auch Händel, dessen Ruhm als Opernkomponist zu dieser Zeit schon ein wenig verblasst war, kam zu neuen Ehren. Die Kapelle wurde in einem Raum der neuen Ausstellung im Händelhaus nachempfunden, das Platz nehmen auf den Bänken dort ist ausdrücklich erwünscht.

Im Zeitraum vom 23. Februar bis zum 12. Juni 2016 sind  in der Schatzkammer des Händel-Hauses besonders wertvolle Leihgaben des Foundling Museum London  zu sehen, darunter originale Partituren, wie den berühmten Halleluja-Chor aus dem Messiah und die Foundling Hospital Anthem „Blessed are they that consider the poor“ mit eigenhändige Eintragungen von Händel.

Neue Ausstellung Händelhaus

Mehrere Einspielungen der Werke Händels und Videos ergänzen die Ausstellung und sorgen zusammen mit den interaktiven Angeboten für einen abwechslungsreichen Ausstellungsbesuch.

Ein besonnderes Angebot für die Ausstellung sind spezielle Führungen für Kinder.

Gisela Tanner  (Text und Fotos)

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