Händel-Festspiele: Messiah und Jazziah – Händel einmal klassisch – einmal reloaded

Dom Halle Foto: G.Tanner

Die Bandbreite des Programms der Händel-Festspiele lässt sich auch am Beispiel des „Messiah“ erkennen. Die Zuschauer des Events zu Ehren des großen Sohnes der Stadt konnten, wenn sie wollten, an zwei Tagen hintereinander erst die klassische Form und dann die moderne Variante des Oratoriums erleben, das wohl zu den bekanntesten Werken des großen Meisters gehört.

Wenn der „Messiah“ angesagt ist, braucht es nicht viel Werbung, dann strömen die Zuschauer, auch wenn die Aufführung in diesem Jahr im Dom der Stadt und nicht wie gewohnt in der Marktkirche stattfand. Dieser Dom mit seinem langgestreckten Mittelschiff hat eine ausgezeichnete Akustik, lässt aber auf den hinteren Plätzen die Akteure nur erahnen. Aber das machte den Besuchern, die trotz eines kräftigen Gewitterregens alle gekommen waren, nichts aus. Sie ließen sich von der Musik verzaubern. Das lag auch an dem ausgezeichneten Ensemble aus Solisten, Chor und Orchester, das von Andrea Marcon geleitet wurde. Zu hören waren Robin Johannsen (Sopran), Carlos Mena (Alt), Rupert Charlesworth (Tenor), Luca Tittoto (Bass) und Andreas Wolf (Bass), der den Platz von Luca Tittoto übernommen hat. Ihnen zur Seite stand das La Cetra Barockorchester & Vokalensemble Basel mit auffallend jungen Sängern und Musikern, die ihre jugendliche Frische, angeleitet von einem erfahrenen Dirigenten,  in die Musik einfließen ließen. Andächtige Stille herrschte unter den Zuschauern, die drei Stunden der Aufführung hochkonzentriert verfolgten. Schon nach den einzelnen Sätzen brauste starker Beifall auf und am Schluss wollte die Begeisterung nicht enden, so dass es noch ein zusätzliches „Hallelujah“, dem bekannten Schlusschor des 2. Satzes, gab. Dazu kamen auch die „Hinterbänkler“ in den vorderen Bereich des Domes und konnten gemeinsam mit dem Ensemble diese Aufführung feiern.

Einen Tag später, am 2. Juni, gab es dann anstatt des Klassikers eine Uraufführung  – „Jazziah, Händels Messiah reloaded“ – im Steintorvariete Halle. Domenico Calibri, der Händels Messiah für diese Aufführung bearbeitet hatte, war auch unter den Zuschauern. Wie im Programmheft zu lesen war, hat er den Messiah mit „Elementen und Klängen des zeitgenössischen Jazz“ erweitert. Das Orchester war im vorderen Teil des Zuschauerraums angeordnet, so dass ein Blick auf die spielfreudigen Ensemblemitglieder gut möglich war. Der hat sich schon gelohnt, um dem äußerst ambitionierten Dirigenten Domenico Caliri zuzuschauen. Es war eine Freude zu sehen, wie er seine Musiker und Sänger während der gesamten Aufführung mitnahm und präzise anleitete. Wie alle Akteure den Wechsel von klassischen zu jazzigen Elementen meisterten, war beeindruckend. Die Solisten Carine Tinney (Sopran), Chiara Schönfeld (Vocals) und Benedikt Kristjansson harmonierten mit dem wandlungsfähigen Vocalensemble ardent, das ein gefragtes Kammerorchester bei diversen Festivals ist.  Für die jazzigen Elemente sorgten vor allem Gianluigi Trovesi an Klarinette und Saxofon, Domenico Caliri an der elektrischen Gitarre und Bodek Janke an den Perkussions. Das war eine Aufführung, die die Zuschauer begeisterte, ja, und auch dort gab es eine Zugabe. So kann es mit den Händel-Festspielen weiter gehen! Ein Hauch von Weltstadt kommt nach Halle.

 

Gisela Tanner