Großgörschen 1813 – Der Anfang von Napoleons Ende 200 Jahre Befreiungskriege

©Hans-Jürgen Paasch www.buchgestalter.eu
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Napoleons Russlandfeldzug forderte mehr als 400 000 Tote. 100 000 gerieten in Gefangenschaft. Am 30. Dezember 1812 unterzeichneten der preußische General Yorck und der russische General Diebitsch die Konvention von Tauroggen. König Friedrich Wilhelm III. wurde davon überrascht, mobilisierte aber seine Armee, führte die Wehrpflicht ein und rief Freiwillige auf. Im Vertrag von Kalisch ging Preußen am 27./28. Februar 1813 ein zuerst geheimgehaltenes Bündnis mit Russland ein. Am 16. März erfolgte die Kriegserkärung an Frankreich und der Aufruf „An mein Volk“.

Trotzdem waren Russland und Preußen als Gegner Napoleons und seiner Verbündeten weiterhin unterlegen. Napoleon kämpfte jedoch in Spanien und Übersee weiterhin gegen Großbritannien.
Mit gewaltigen Anstrengungen stellte Napoleon die Mainarmee auf, welche zum großen Teil nur auf dem Marsch ausgebildet wurde. Dazu kamen die Reste der Rußlandarmee und nur wenig, schlecht berittene Kavallerie.

Frankreich reagierte auf die Kriegserklärung. Zu einem ersten größeren Gefecht kam es aber erst am 5. April bei Möckern. Die Franzosen wurden zurückgedrängt. Es wird 1813 auch weiterhin gelingen Napoleon von Berlin fernzuhalten. Die Mainarmee erreichte am 29. April Naumburg. Russische und Preußische Truppen zogen sich zurück. Danach ist es zu weiteren kleinen Kämpfen in Halle, Merseburg und Weißenfels gekommen. Am Morgen des 1. Mai reitet Napoleon an der Spitze seiner Truppen in Richtung Leipzig. Bei Rippach wurde er von russischer Reiterei und Artillerie angegriffen, die sich aber in Richtung Pegau zurückzieht. Bei diesem Gefecht fiel der französische Marschall und Komandeur der Gardekavallerie Bessières. Den Verbündeten war aber damit klar, das Ziel ist Leipzig.

Am 2. Mai 1813 beorderte Napoleon das III. Korps unter dem Komando des Marschalls Ney zur Flankendeckung in die Ortschaften Kaja, Rahna, Starsiedel, Groß- und Kleingörschen. Das war der Beginn der Schlacht bei Großgörschen, in Frankreich bekannt als „bataille de Lutzen“. Es standen sich bei dieser Schlacht fast 200 000 Soldaten gegenüber.
Napoleon verzeichnete einen durch hohe Verluste gekennzeichneten Sieg gegen die preußische und russische Armee, ohne diese jedoch entscheidend zu schlagen.

Bei der Schlacht von Großgörschen, die den Auftakt zum sogenannten Frühjahrsfeldzug darstellte, standen erstmals preußische und russische Truppen dem von Napoleon geführten gemeinsamen Feind gegenüber. Aber nur Frankreich wird diese Schlacht als Sieg vermelden. Die russischen und preußischen Truppen zogen sich nach Einsetzen der Dunkelheit geordnet zurück. Es ging keine Regimentsfahne und auch kein Geschütz verloren. Napoleon möchte seine kleine Kavallerie nicht aufs Spiel setzen und setzte nicht nach. Bis zur Völkerschlacht folgten 1813 noch sechs weitere Schlachten und zahlreiche Gefechte.

In der Woche vom 29. April bis zum 5. Mai 2013 wurde der Schlacht bei Großgörschen, die auch als Vorspiel der Leipziger Völkerschlacht den Beginn des endgültigen Sieges gegen Napoleons markiert, während des alljährlichen Scharnhorstfestes gedacht. Der preußische General Gerhard Johann David von Scharnhorst (1755–1813) wurde in Großgörschen leicht verwundet. Er wartete jedoch nicht die endgültige Heilung dieser Verwundung ab, weil er versuchte Österreich an der Allianz zu beteiligen. Acht Wochen später verstarb er an den Folgen dieser Verwundung in Prag. Scharnhorst hatte, unter anderem als führender Kopf der Militär-Reorganisationskommission großen Anteil an der Neugestaltung der preußischen Armee nach 1806.

Zum 200. Jahrestag sind Teilnehmer aus ganz Europa zu diesem Reenactment angereist. Die Biwaks der Reenacter (so nennen sich die Darsteller) sind auf die Orte um Großgörschen verteilt verteilt. Schon diese viele Zelte bilden ein beeindruckendes Bild. Die Besucher haben die Möglichkeit diese Biwaks zu besuchen und mit den Darstellern, welche sich mit originalgetreuen Uniformen und Waffen zeigen, ins Gespräch zu kommen. Man kann in die Zelte blicken, oder Fotografieren.

Ein großes Ereignis ist am 4. Mai 2013 die 90-minütige Nachstellung der Schlacht durch über 2000 Darsteller. Durch diese große Teilnehmerzahl konnte der Verlauf der Schlacht, mit vielen Wendungen, auf dem originalen Feld anschaulich dargestellt werden.
Die Schlachtdarstellung beginnt bei der Lage um 12 Uhr.
Das III. Korbs der Mainarmee besetzt zur Flankendeckung die Ortschaften Kaja, Rahna, Starsiedel und Klein- sowie Großgörschen. Zwei preußische Batterien beschießen Großgörschen und zwingen eine feindliche Batterie zum Rückzug. Die Brigade Klüx des Blücherschen Korps geht zum Angriff vor. Der französische General Souham hält mit seiner Division Großgörschen und Rahna, drei weitere Divisionen stehen bei Kaja. Durch das Artilleriefeuer werden die Franzosen veranlasst, sich am südlichen Dorfrand zu verbarrikadieren und sich hinter Großgörschen aufzustellen. Unter Verlusten erobern die Preußen Großgörschen werden dort jedoch von Franzosen empfangen. Später trifft Napoleon ein, der vor hatte nach Leipzig zu reiten. Er zieht weitere französische Truppen unter dem Befehl von Marschall Ney zusammen und beordert diese in Richtung Schlachtfeld. Dem Druck können die zusammengeschmolzenen preußischen Regimenter nicht standhalten und lassen sich zurückgedrängen. Das Vorgehen mehrerer französischer Bataillone wird durch russisches Kartätschenfeuer verhindert. Der verlustreiche Kampf wogte zwischen den Dörfern Rahna, Kaja und Kleingörschen hin und her. An allen Punkten erreicht Napoleon eine Übermacht gegen die Verbündeten. Gegen 6 Uhr abends lässt er sie von einer Höhe zwischen Kaja und Starsiedel aus beschießen. Dann setzt er mit neuen, schnell herangezogenen Truppen zum Gegenangriff an. Der Zar setzt seine Garderegimenter dagegen. Französische Kürassiere, in blinkenden Rüstungen, reiten gegen die russischen Husaren. 1813 wurde Kaja zur „Beleuchtung“ angezündet. Das unterbleibt 2013 jedoch.

Zahlreiche Denkmäler wie die Schinkel-Pyramide, deren Originalsockel noch heute auf dem Monarchenhügel bei Großgörschen steht, erinnern an die Kämpfe vom 2. Mai 1813. Museen in Halle, Weißenfels, Lützen und Großgörschen widmen sich ebenfalls dem Ereignis.

Aus Anlass des 200. Jahrestages erscheint ein Buch im Verlag Janos Stekovics. Es enthält Beiträge zur Schlacht, gibt Einblicke in die historischen Zusammenhänge und beantwortet unter anderem die Fragen, welche Schuhe die einfachen Soldaten in der Schlacht trugen, wie sie durch Militärmusik motiviert wurden oder welche Belastungen der Krieg für die Zivilbevölkerung brachte. Es ist ein gemeinsames Projekt der Museen in Lützen, Weißenfels und Großgörschen, die im Jahr 2013 neben dieser Publikation auch entsprechende Ausstellungen zur 200. Wiederkehr des Schlachttages von Großgörschen präsentieren.

Autor: Hans-Jürgen Paasch  www.buchgestalter.eu
Fotos: ©Hans-Jürgen Paasch

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Abbildungsliste:

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Franzosen im Biwak

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Lützower Jäger in schwarz-weiß-gold

003 Großgörschen
Die Bewohner haben ihre Häuser verlassen

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Ein französischer Kürassier mit Brustharnisch

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Preußische Artillerie rückt vor

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Preußische Infanterie nimmt Aufstellung

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Preußische Kanonen werden geladen

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Ein französischer Kürassier kämpft gegen einen russischen Husaren

009 Großgörschen
Eine französische Einheit auf dem Weg zur Schlacht

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Die Franzosen ziehen sich nach Großgörschen zurück

011 Großgörschen
Die Preußen greifen die französischen Linien an

012 Großgörschen
Die Franzosen rücken vor

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Preußen kämpfen gegen Franzosen

014 Großgörschen
Die Preußen ziehen sich zurück

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Der Kampf strengt an

016 Großgörschen
Die Franzosen rücken nach

017 Großgörschen
Die Franzosen rücken nach

018 Großgörschen
Russische Kosaken

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Preußische Kanonen werden abgeschossen

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Französische Verbündete