Glanzvolle Almira jetzt erst recht an der Oper Halle

©Gert Kiermeyer - Rafał Zeh (Amor), Ines Lex (Almira) Björn Christian Kuhn (Tabarco)
©Gert Kiermeyer - Rafał Zeh (Amor), Ines Lex (Almira) Björn Christian Kuhn (Tabarco)
©Gert Kiermeyer – Rafał Zeh (Amor), Ines Lex (Almira) Björn Christian Kuhn (Tabarco)

Es sollte eigentlich eine Premiere während der Händelfestspiele in Halle werden, doch diese wurden aus bekannten Gründen abgesagt. Als die Bühnen Halle ihren Spielbetrieb nach dem Hochwasser wieder aufnehmen durften(!), zeigt sich der Opern-Intendant Axel Köhler ein wenig erleichtert darüber, dass Almira wenigstens noch in dieser Spielzeit zur Premiere kommt. So waren die Mühen der Vorbereitung nicht ganz umsonst. Die drohenden Wolken wegen der Kürzungspläne der Landesregierung in Bezug auf die Bühnen Halle schweben aber immer noch über dem halleschen Theaterhimmel.

Die Geschichte der Oper in zwei Teilen und zehn Bildern – ein frühes Werk Georg Friedrich Händels – könnte auch einer neuzeitlichen Fernsehserie entstammen: Der Sohn des Diplomaten Consalvo gerät als Kind in einem Seesturm und gilt als verloren. In Wirklichkeit wird er von Fischern unter dem Namen Fernando großgezogen, gelangt durch glückliche Umstände an den Hof des Königs Alfonso und verliebt sich in dessen Tochter Almira.Sie gestehen sich aber ihre Liebe nicht ein, schon wegen des vermuteten Standesunterschiedes. Außerdem hatte Alfonso, der inzwischen verstorben ist, testamentarisch angewiesen, dass Almira jemanden aus „Consalvos Geblüt“ ehelichen solle. Consalvo, der nicht weiß, dass Fernando sein Sohn ist, hat noch einen zweiten Sohn – Osman.

Am ihrem zwanzigsten Geburtstag wird Almira zur Königin von Kastilien gekrönt und es wird Zeit, sich nach einem Gatten umzusehen. Osmann wird Feldherr der Armee und der vermeintlich bürgerliche Fernando wird Sekretär. Edilia, die Schwester von Almira ist eigentlich in Osman verliebt, dieser richtet seine Aufmerksamkeit aber auf Almira. Auch der König von Mauretanien hat Interesse an Almira. Das ist der Ausgangspunkt für allerlei Verwirrungen, Eifersuchtsszenen bis hin zur Verhaftung Fernandos mit Androhung der Todesstrafe. Immer wieder trifft man sich im höfischen Garten um sein Gefühlen freien Lauf zu lassen, und schließlich greift Amor , der sich von der Statue zur lebendigen Figur – verkörpert von Rafal Zeh – wandelt, ein und alles wird gut. Almira bekommt Fernando, ihre Schwester Edilia den König von Mauretanien Raymondo und Osman wendet sich der Ballante, Prinzessin von Aranda zu. Selbstverständlich klärt sich am Schluss auch Fernandos Herkunft von „Consalvos Geblüt“ auf.

Den Zuschauern ist es eine Freude, das modern und mit leichter Hand inszenierte Stück zu verfolgen. Immer wieder gibt es Szenenapplaus. Trotz einer Länge von mehr als drei Stunden kommt keine Langeweile auf. Axel Köhler ist eine muntere Inszenierung gelungen. Ines Lex spielt mit jugendlichem Schwung und glasklarer Stimme die zwischen Staatsraison und Gefühl hin und her gerissenen Almira. Ihre Schwester Edilia – Yeree Suh als Gast– lässt ihren Emotionen, auch den zornigen, freien Lauf. Fernando – Michael Smallwood – wunderbar als schwer verliebter Heldentenor, ganz modern – teilweise in engen Lederjeans – Gast Christian Zenker als Osman. Roland Schubert nimmt den Händelschen Rhythmus als Consalvo auf, wenn er leichtfüßig über die Bühne tänzelt. Zum Schmunzeln regt auch Björn Christian Kuhn – als Diener Tabarco – an, wenn er im Spielsalon geschickt die Tabletts mit Sektgläsern balanciert. Er scheint das Universaltalent für die hallesche Opernbühne zu sein, vom Musical bis zur Klassik. Gewohnt zuverlässig und in der Interpretation barocker Opern geübt, Melanie Hirsch als Bellante und Ki-Hyun Park als Raymondo. Bühnenbild und Kostüme ergänzen den heiteren Stil der Oper. Den musikalischen Rahmen gibt das Händelfestspielorchester unter dem Dirigat von Andreas Spering als Gast, der mit sicherem Gespür für die moderne Interpretation der händelschen Musik die Akteure führt.

Das hallesche Publikum zeigt sich im Schlussapplaus den Akteuren eng verbunden. Es schwebt wohl die Hoffnung mit, dass die Finanzkürzungen der Landesregierung gegenüber den Theatern noch durch ein Wunder abgewendet werden können. Innerhalb kürzester Zeit waren die Karten zum neu angesetzten Premierentermin verkauft.

Gisela Tanner www.tannertext.de

Foto: ©Gert Kiermeyer – Rafał Zeh (Amor), Ines Lex (Almira) Björn Christian Kuhn (Tabarco)