Gesünder essen – Mitteldeutsche Forscher wollen Menschen unterstützen

MLU ©saalereporter
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Mit Beginn der warmen Jahreszeit hat auch die Grillsaison begonnen: Neben Fleisch oder Fisch liegt in Mitteldeutschland besonders häufig die traditionelle Rostbratwurst auf dem Grill. Die ist reich an Fett und
enthält vor allem gesättigte Fettsäuren. In großen Mengen verzehrt, steigern gesättigte Fette das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Um die Zusammenhänge zwischen Ernährung und kardiovaskulären Erkrankungen besser verstehen und neue Lebensmittel und Ernährungsstrategien entwickeln zu können, die die Gesundheit der Bevölkerung langfristig verbessern, haben die drei mitteldeutschen Universitäten Jena, Halle und Leipzig ein Kompetenzcluster initiiert. Der Verbund mit dem Namen „nutriCARD“ nimmt in diesem Monat seine Arbeit auf.

Der Verbund  wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in den ersten drei Jahren mit knapp fünf Millionen Euro gefördert. Die Fördermaßnahme ist Teil eines Aktionsplans „Präventions  und Ernährungsforschung:
Forschung für ein gesundes Leben“ der Bundesregierung. Mit dem Plan verfolgt der Bund das Ziel, dieernährungsrelevanten Kompetenzen von Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und der
Wirtschaft zusammenzuführen, um die Profilbildung und Entstehung von Synergien für exzellente, international
wettbewerbsfähige Forschung zu unterstützen.
Die Wissenschaftler arbeiten an drei Säulen. Die Entwicklung und Herstellung von traditionellen Lebensmitteln mit veränderter Rezeptur bildet die erste Säule. Durch den Austausch der herkömmlichen Varianten im täglichen Speiseplan soll die Herzgesundheit der Konsumenten nachhaltig verbessert werden. Um etwa die traditionelle Thüringer Bratwurst gesünder zu machen, wollen die Forscher die enthaltenen tierischen Fette teilweise durch pflanzliches Eiweiß oder Ballaststoffe ersetzen und dadurch den Energie- und Fettgehalt sowie den Anteil an gesättigtem Fett reduzieren. Schrittweise ist auch die Verbesserung von Milchprodukten, Backwaren, Snacks
und Fertiggerichten geplant. Entscheidend sei hier vor allem, die Produkte so zu entwickeln, dass sie
geschmacklich mindestens ebenso gut wie das Original sind, damit der Verbraucher das Lebensmittel auch akzeptiert.

Die zweite „nutriCARD Säule“ ist den Grundlagen und Mechanismen der Erkrankungsprozesse selbst gewidmet. Durch Untersuchungen an Zell  und Tiermodellen sowie in Studien am Menschen sollen die Zusammenhänge zwischen Ernährung, genetischen Faktoren und dem Auftreten von Herz Kreislauf Erkrankungen aufgeklärt werden. Bei der dritten Säule geht es um die Entwicklung und Umsetzung von Kommunikations- und Bildungskonzepten, die langfristig zu einem gesunden Ernährungs-  und Lebensstil beitragen.

„Hier besteht besonders in Mitteldeutschland ein großer Bedarf“, sagt Gabriele Stangl von der Universität Halle und
verweist auf statistische Daten, nach denen in Thüringen und Sachsen-Anhalt besonders viele Kinder mit Übergewicht leben, einem wichtigen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Um diesem Zustand entgegen zu wirken, werden die Forscher im „nutriCARD“ Projekt auch Bildungsprogramme entwickeln, die sich insbesondere an junge Familien und Kinder richten. Nach Prüfung der Konzepte hinsichtlich ihrer Wirksamkeit ist die Einführung in Kitas und Schulen geplant. In diesem Zusammenhang gehört auch die Erarbeitung von Unterrichtsmaterialien zum Thema „Gesunde Ernährung“ zu den Aufgaben von „nutriCARD“.

Quelle: MLU Halle