Geschichten aus 1001 Nacht – Märchenhaftes im Hof des neuen theaters

v.l.n.r.: Ivana Sajević, Sebastian Fortak, Ines Heinrich-Frank, Katharina Kummer © Theater, Oper und Orchester GmbH, Foto: Falk Wenzel
v.l.n.r.: Ivana Sajević, Sebastian Fortak, Ines Heinrich-Frank, Katharina Kummer © Theater, Oper und Orchester GmbH, Foto: Falk Wenzel
v.l.n.r.: Ivana Sajević, Sebastian Fortak, Ines Heinrich-Frank, Katharina Kummer – © Theater, Oper und Orchester GmbH, Foto: Falk Wenzel

[Foto: Falk Wenzel] Es gibt viele Gründe, die die halleschen Bühnen einzigartig machen. Einer davon ist das Hoftheater im neuen theater kurz vor Ende der Spielzeit, in diesem Jahr gestaltet vom Puppentheater. Die Premiere wurde mit Spannung erwartet, nicht nur weil sich das Ensemble um Intendant Christoph Werner in Halle großer Beliebtheit erfreut, sondern auch weil der „Wettergott“ wieder für Unsicherheit sorgte. Glücklicherweise lösten sich kurz vor Vorstellungsbeginn die Regenwolken auf und selbst die Vogelwelt schien Gefallen an der Vorstellung zu finden, was sie mit melodischem Zwitschern bestätigte.

Auch auf der Bühne ging es musikalisch zu (Musik Sebastian Herzfeld), die Mitglieder des Puppentheaters sind eben nicht nur Schauspieler und Puppenspieler, sondern auch äußerst passable Musiker und Sänger. Schon beim Eintritt in den Hof öffnete sich dem Besucher eine magische Welt, glitzernde Vorhänge und ein  Bühnenbild (Angela Baumgart) mit beweglichen Elementen, die, wie sich später herausstellte, so manche Überraschungen in sich bargen.

Die Inszenierung erinnerte daran, dass die Märchen aus 1001 Nacht eigentlich für Erwachsene gedacht sind, und so konnte man ein erotisches Knistern auf der Bühne verspüren. Ines Heinrich-Frank, Katharina Kummer, Ivana Sajevic, Sebastian Fortak, Lars Frank und Jörg Kunze entführten die Besucher in eine Welt voller Abenteuer, Liebe, Hass und Eifersucht. Die Handlung ist bekannt: Scheherazade, Tochter des Wesirs, gibt sich in die Hände von König Schahriyâr, obwohl dieser dafür bekannt ist, dass er aus Rache für die Untreue seiner Frau die ihm zugeführten Jungfrauen nach einer Nacht tötet. Dank der Geschichten, die Scheherazade erzählt und die sie kurz vor dem Morgen an besonders spannenden Stellen unterbricht, lässt der König sich immer wieder dazu hinreißen, die kluge Gespielin am Leben zu lassen und schließlich wird der Bann des Tötens unterbrochen.   Natürlich geht am Ende alles gut aus, so wie es sich für ein Märchen gehört. Dennoch stimmt die Vorführung auch nachdenklich, fallen auf der Bühne doch mehrmals Namen von prächtigen Städten des „Morgenlandes“, die wegen der aktuellen politischen Lage heute in Schutt und Asche liegen.

Eine Inszenierung des Puppentheaters hat durch das Zusammenspiel von Mensch und Figur immer wieder ihren besonderen Reiz. Regisseurin Ania Michaelis ist es gelungen, die Zuschauer in der zauberhaften Kulisse des nt-Hofes in eine schillernde Märchenwelt zu entführen, unterstützt durch die Musik von Sebastian Herzfeld, Puppen von Lili Laube (&Archiv)  sowie dank des Bühnenbildes  und der Kostüme von  Angela Baumgart. Die Choreografie stammt von Catharina Gadelha und  Christoph Werner selbst hat die Dramaturgie übernommen.  Diese sehenswerte Inszenierung steht noch bis Ende Juni auf dem Programm.

Gisela Tanner