Gelungen – Opernensemble in Halle meistert besondere Herausforderung zur Premiere von „La Forza del Destino“

vorn v.l.n.r.: Ki-Hyun Park (Pater Guardiano, Franziskanermönch), Romelia Lichtenstein (Donna Leonora di Vargas), Gerd Vogel (Fra Melitone, Franziskanermönch), hinten: Chor und Extrachor der Oper Halle ©Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, Copyright by Uwe Köhn
vorn v.l.n.r.: Ki-Hyun Park (Pater Guardiano, Franziskanermönch), Romelia Lichtenstein (Donna Leonora di Vargas), Gerd Vogel (Fra Melitone, Franziskanermönch), hinten: Chor und Extrachor der Oper Halle ©Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, Copyright by Uwe Köhn
vorn v.l.n.r.: Ki-Hyun Park (Pater Guardiano, Franziskanermönch), Romelia Lichtenstein (Donna Leonora di Vargas), Gerd Vogel (Fra Melitone, Franziskanermönch), hinten: Chor und Extrachor der Oper Halle
©Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, Copyright by Uwe Köhn

Es hätte alles ganz anders kommen können, Opernintendant Axel Köhler trat zur Premiere ins Rampenlicht, noch bevor die Ouvertüre der Verdioper „Macht des Schicksals“ erklang und der eiserne Vorhang sich hob. Einer der wichtigsten Hauptdarsteller, Xavier Moreno als Don Alvaro, sei am Morgen nach der Generalprobe mit Windpocken aufgewacht und bekam ärztlicherseits striktes Auftrittsverbot. Ein herber Schlag so kurz vor der Premiere – sie sollte am nächsten Tag sein. Aber das Opernteam gibt nicht auf. Man telefoniert herum, kennt diesen und jenen und kann schließlich Ernesto Grisales für die Rolle gewinnen. Der mehrfach ausgezeichnete Tenor trat schon europaweit an mehreren großen Bühnen auf. Er setzte sich noch am gleichen Tag in den Flieger und hatte in Halle gerade einmal vier Stunden Zeit, sich an die Rolle und das Opernensemble zu gewöhnen. Ach ja, der Regisseur G.H. Seebach lag am Premierentag auch noch mit Bronchitis im Bett.

Was dann folgte, war eine musikalische Erfolgsgeschichte. Es schien, als haben sich Publikum und Sänger miteinander verbündet. Man spornte an, begleitete Szenen mit Zwischenapplaus. Die Fäden des Spiels hatte GMD  Josep Caballé-Domenech in der Hand, der die Staatskapelle und die Sänger zur Musik Verdis mit sicherer Hand führte. KS Romelia Lichtenstein glänzte als Leonora und  Kwang-Keun Lee als Carlo. Dass  Ernesto Grisales die Rolle des Don Alvaro übernahm, stellte sich als Glücksfall heraus. Zu sehen und hören war auch wieder einmal Jürgen Treckel, er übernahm die Rolle des Marchese di Calatrava. Nennenswert sind auch  Ki-Hyun Park als Pater Guardiano und Gerd Vogel als Fransiskanermönch, die zum festen halleschen Ensemble gehören. Antigone Papoulkas  sang die Preziosilla, eine blinde Wahrsagerin. Der Opernchor ist in dieser Verdi-Oper stark eingebunden.

Das Bühnenbild von Hartmut Schörghofer ist zurückhaltend, aber sehr eindringlich. Es wird viel mit Licht gearbeitet. Die Handlung  – typisch für eine Oper der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts – dreht sich um Liebe, Tod und Intrigen, um Hass und verheerende Kriege. Es fließt viel Blut.  Eleonora verliebt sich in den Augen ihres Vaters Marchese di Calatrava  in den Falschen, bei einem Handgemenge fällt ein Schuss, der den Vater tötet. Noch im Sterben spricht er gegen seine Tochter einen Fluch aus, Sohn Carlos will den Vater rächen und seine Schwester töten. Die beiden Liebenden Eleonora und Alvaro verlieren sich auf der Flucht aus den Augen, nach langen Irrwegen treffen die drei wieder aufeinander und es kommt zu dramatischen Ereignissen.

Die Oper wird in italienischer Sprache gesungen, die deutsche Übersetzung wird angezeigt. Wer wieder einmal Lust auf klassische Oper hat, sollte unbedingt in diese hallesche Aufführung  gehen.

Gisela Tanner