Gedenkwoche zur Völkerschlacht bei Leipzig endet mit Gefechtsdarstellung

(c)H.J.Paasch - Gefechtsdarstellung - Mongolische Reiter aus der russischen Kavallerie.
(c)H.J.Paasch - Gefechtsdarstellung -  Mongolische Reiter aus der russischen Kavallerie.
(c)H.J.Paasch – Gefechtsdarstellung – Mongolische Reiter aus der russischen Kavallerie.

Die Völkerschlacht bei Leipzig endete mit verlustreichen Gefechten, die 100 000 Menschen das Leben kosteten. Teil dieses Gedenkens war die Gefechtsdarstellung, die auch Kritiker auf den Plan rief. H.-J. Paasch war bei dem Ereignis, an dem Darsteller aus vielen Ländern Europas teilnahmen , dabei:

Als Höhepunkt der Gedenkwoche zur Völkerschlacht fand am Sonntag die Gefechtsdarstellung anlässlich des 200 Jahrestages dieses Ereignisses statt. Bereits die ganze Woche sammelten sich Darsteller aus ganz Europa am Rande Leipzigs in riesigen Biwaks. Über 6000 Reenacter, so nennen sich diese Darsteller, mit 100 Kanonen haben einen Teil dieser Schlacht dargestellt.

Der geschichtliche Hintertgrund im Jahr 1813 in Sachsen

Im Mai fand bei Leipzig die erste Schlacht des Jahres gegen Napoleon statt. In Großgörschen konnte Napoleon noch gewinnen. Die verbündeten preußischen und russischen Truppen zogen sich nach weiteren Kämpfen bis nach Schlesien zurück. Im Sommer sorgte ein Waffenstillstand dafür, dass sich beide Armeen neu aufstellen konnten. Weitere Verbündete wurden gesucht.
An die Seite Preußens stellen sich neben den Russen auch die Schweden und Österreicher. Verbündet waren auch Mecklenburg, Hannover (damit auch die King’s German Legion) und die Hanseatische Legion.
Napoleon war mit dem Herzogtum Warschau, Italien, Neapel und den meisten Rheinbundstaaten, darunter auch Sachsen, verbündet.
Die drei Armeen der preußischen Allianz – Nordarmee, böhmische Armee und schlesische Armee – hatten Napoleon schon sehr zugesetzt. Er musste Dresden verlassen und sich nach Leipzig zurückziehen. Alles lief darauf hinaus, dass sich die Armeen in der Leipziger Tiefebene treffen werden. Die Alliierten wollten eine Entscheidung. Napoleon sah sich in dem verbündeten Leipzig in einer guten Ausgangsposition. Immer mehr Truppen erreichten Leipzig und lagerten in riesigen Zeltlagern. Am 16. Oktober begann die bis dahin größte Schlacht der Geschichte und blieb es auch etwa 100 Jahre.

14. Oktober

In einem Aufklärungsgefecht mit König Murat, dem Schwager Napoleons, befinden sich 14.000 Reiter im Gefecht. Die Österreicher nehmen Lieberwolkwitz.

15. Oktober

Die Kräfte werden gesammelt.

16. Oktober

Napoleon schlägt bei Markkleeberg, Wachau und Lieberwolkwitz die Österreicher zurück. Der Versuch die westlichen Wege aus Leipzig abzuschneiden scheitert an dem hohen Wasserstand. Napoleon läßt die Siegesglocken läuten. Gleichzeitig wird die französische Reserve, welche aus dem Raum Torgau kommt bei Möckern in Kämpfe mit der schleesischen Armee unter Blücher verwickelt und geschlagen.

17. Oktober

Die Nordarmee mit den Schweden trifft ein. Die Allianz hat jetzt 300.000 Soldaten zusammengezogen. Napoleon hat nur noch 160.000.

18. Oktober

Heftige Kämpfe rund um Leipzig. Weiterhin bleibt durch das Hochwasser der Weg Richtung Westen frei. Erbitterte Kämpfe in Schönefeld, Probstheida und Paudsdorf. Napoleon weicht in die Stadt aus. Viele deutsche Verbündete Soldaten treten zu den Alliierten über. Darunter auch viele Sachsen.
Abends befiehlt Napoleon den Rückzug über die Saale.

19. Oktober

Die Grande Armee flieht Richtung Weißenfels. Die verbliebenen Verbündeten müssen den Rückzug sichern. Die Elsterbrücke wird bei Sichtung der ersten Alliierten gesprengt. Viele französische Soldaten und Verbündete sterben beim Durchschwimmen der überschwemmten Flüsse.

Von den 500.000 beteiligten Soldaten starben 85.000 bei den Kämpfen. Die Verwundeten überfluteten Leipzig. Jeder verfügbare Raum, alle Straßen, alle Kirchen, außer der Nikolaikirche, wurden Lazarett.

Gefechtsdarstellung

Diese Nachstellung der Schlacht sehen die Darsteller nicht als ein Spiel an, sondern wollen die Erinnerung an die Grausamkeiten dieser Kriege wach halten.

Vor der Schlacht auf dem Markt von Lieberwolkwitz werden die Teilnehmer verabschiedet. Neben Franzosen, Polen, Sachsen, Östereicher, Russen, Schweden und Preußen sieht man auch viele Nationen die gar nicht teilgenommen haben. Darunter Schotten und Engländer. Bei dieser 200-Jahrfeier wollen alle mitmachen. Unter den fast 6500 Teilnehmern finden sich auch Nationen wie Spanien, Kanada, Australien und sogar China.
Vor dem Eingang zur Schlachtdarstellung protestieren einige Friedensaktivisten. Es gibt doch unterschiedliche Meinungen zu diesem Spektakel.
Nach und nach treffen die Darsteller in der Weinteichsenke, wo die Darstellung beginnen wird, ein. Die Besucherflächen und Tribünen füllen sich. Durch den Sprecher werden wir informiert, dass erst 14 Uhr, immerhin 90 Minuten später, begonnen wird damit weitere Besucher eingelassen werden können. Das scheint mir aber andere Gründe zu haben. Immerhin beginnt der mdr die „Direktübertragung“ erst 15.30 Uhr Die Flächen sind aber bereits sehr voll. Viele Besucher werden wohl nichts sehen können. Gegen 13.30 Uhr werden die Kassen geschlossen. Ausverkauft.

Die Franzosen und ihre Verbündeten rücken vor, die Alliierten schlagen zurück. So wird die Darstellung über das ganze Feld geführt. Alle Besucher, die nicht zu weit hinten stehen, bekommen etwas zu sehen. Die Franzosen ziehen sich über einen Bach zurück. Die Sachsen laufen mit erhobener weißen Fahne zu den Alliierten über. Die Brücke wird gesprengt um den Rückzug zu sichern. Wie in der richtigen Schlacht.
Ansonsten hat diese Darstellung doch wenig mit der richtigen Schlacht zu tun. Hier fließt gerade noch ein wenig Theaterblut.
Alle Nationen welche in verschiedenen Orten rund um Leipzig kämpften sind heute zusammen auf einem Schlachtfeld.
Um sich das tatsächliche Grauen der Völkerschlacht vorstellen zu können, braucht man doch noch eine große Portion Fantasie.

Text und Foto: Hans-Jürgen Paasch www.buchgestalter.eu