Galileo Galilei – wie hält man es mit der Wahrheit?

© Gert Kiermeyer - vorn: Stella Hilb, Jörg Steinberg hinten: Barbara Zinn

 © Gert Kiermeyer -  vorn: Stella Hilb, Jörg Steinberg hinten: Barbara Zinn
© Gert Kiermeyer –
vorn: Stella Hilb, Jörg Steinberg hinten: Barbara Zinn

Galileo hat mit Hilfe des Fernrohrs  die Lehre entkräftet, dass die Erde im Zentrum des Universums liegt. Lange hat er seine Erkenntnisse  verteidigt, doch dann hat er sie auf Druck der römisch-katholischen Inquisition widerrufen. Danach ging es ihm nicht mehr gut, aber er hat überlebt. So zu erleben während  der Premiere  von „Leben des Galilei“ am neuen theater Halle.  Der vitale umtriebige Wissenschaftler endet als alter gebrochener Mann.

Regelmäßige Theatergänger wissen es, im nt Halle gibt es (fast) keine Vorhänge. Der Zuschauer betritt den Saal und und sieht das Bühnenbild vor sich. Bei „Leben des Galilei“ ist es ein kreisförmiges weißes Gebilde,  das schon vor Beginn den Raum dominiert und das mediterane Flair italienischer Städte – das Stück spielte in  Venedig und  Florenz – vermittelt. Die Wände können bewegt werden, mehr braucht es nicht, um das Bühnenbild zu verändern. In diesem Rahmen erlebt Galileo Galilei alle Phasen seines Lebens, erst der neugierige Wissenschaftler, der den Forschergeist seiner Schüler anregt, dann der clevere Geschäftsmann,  der die Erfindug des Fernrohrs als seine eigene ausgibt und schließlich der gebrochene Mensch, der durch Androhung von Folter seine Lehre widerruft, unter Arrest gestellt wird und nur noch heimlich forscht. Will man es ihm verübeln, dass er an seinem Leben hängt und nicht wie Giordano Bruno –  ebefalls Verfechter des modernen Weltbildes – auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden möchte? Seine Schüler jedenfalls, die sich zunächst von ihm abwandten,  fanden zum Ende hin versöhnliche Worte.

Regisseur Jo Fabian, so erfahren wir von Dramarturgin Kathleen Rabe,  machte es sich nicht leicht bei der Erarbeitung von Brechts Stück, ja er zweifelte sogar stellenweise an seinem Text.  Zusammen mit den Schauspielern erarbeitete er während der Proben seine Interpretation des Werkes.  Die Rolle des Galilei hat Jörg Steinberg übernommen und spielt sie eindringlich, fast erschreckend ist sein Wandel zum alten gebrochenen Galilei. Stella Hilb (Virginia) und Petra Ehlert (in mehreren Rollen) sind die treuen Begleiter des Wissenschaftlers, Teilhabe an der Forschung  war Frauen in dieser Epoche noch nicht gestattet. Neben David Kramer, Jonas Schütte und Wolf Gerlach (u.a. ein wunderlicher kleiner Mönch) spielen auch  langjährige Ensemble-Mitglieder wie Peer-Uwe-Teska,    Peter W. Bachmann, Stanislaw Brankatschk , Karl-Fred-Müller und Hilmar Eichhorn in verschiedenen Rollen.  Die Dramatik wird durch Musikeinspielungen unterstrichen und ab und an gibt es auch etwas zum Schmunzeln. Zum Schluss bewegen sich alle, außer dem sterbenden Galilei,  in einheitlicher Choreographie im Kreis.  

Übrigens, erst nach 337 Jahren, so erfahren wir aus dem lesenswerten Programmheft, wurde Galileo Galilei von der katholischen Kirche rehabilitiert.  Im Jahr 1979 bestätigte Papst Johannes Paul II. , dass der Wissenschaftler zu  Unrecht verfolgt wurde.

Weitere Vorstellung: am Sonntag, 02. Juni 2013 um 15.00 Uhr und am 03. Juni um 19.30 Uhr im Saal des neuen theaters

Gisela Tanner
Foto:© Gert Kiermeyer – vorn: Stella Hilb, Jörg Steinberg,  hinten: Barbara Zinn