Fulminantes Jubiläumskonzert des Händelfestspielorchesters in Halle

haendelorchester oratoriumEs ist eine Freude, den Musikern des Händelfestspielorchesters zuzuhören und zuzuschauen. Es gibt nur wenige Klangkörper in Deutschland, die nicht nur moderne, sondern auch historische Instrumente wie Theorbe und Cembalo so virtuos zum Leben erwecken.   Beim  Jubiläumskonzert anlässlich des 20jährigen Bestehens am Sonnabend in der Oper konnten Hallenser und Gäste  das hallesche Orchester –  life und ins rechte Licht gesetzt – auf der Opernbühne erleben.

Einzig die Grußworte des Oberbürgermeisters  am Anfang und die Blumengaben  am Ende  des Konzertes wiesen auf das Jubiläum hin. Den festlichen Rahmen aber setzten die Musiker selbst durch ihr überzeugendes Spiel.   Zu hören war das Oratorium „Il trionfo del tempo e del disinganno“, das Händel  im Jahr  1707 während einer Italienreise   komponierte.  Schon damals  galt Italien mit seinen Naturschönheiten und besonderen Bauwerken als Sehnsuchtsland der Künstler. In Rom wurde man auf das Talent des  jungen deutschen Musikers aufmerksam und so erteilte ihm Kardinal Benedetto Pamphili den Auftrag für ein Oratorium. Opernaufführungen  waren auf päpstlichen Erlass zu dieser Zeit in Rom verboten.  Vier Sänger stellen – Bellezza, die Schönheit –  Piacere,   das Vergnügen  –  Disinganno, die Entlarvung – und Tempo,  die Zeit – dar. In der halleschen Aufführung übernahmen das Melanie Hirsch (Bellezza), Sophie Harmsens  (Piacere), Owen Willetts (Disinganno) und Robert Sellier (Tempo). Jeder verlieh seiner Rolle eine eigene Klangfarbe, die zwei Damen mit ihren Sopranstimmen, Owen Willetts mit seinem Contertenor und Robert Sellier mit wohlklingendem  Tenor. Die Vier erweckten den „Triumpf der Zeit und der Entlarfung“ über das Vergnügen zum Leben und begeisterten das Publikum.

Das Händelfestspielorchester unter der musikalischen Leitung von Bernhard Forck wuchs über sich hinaus,  verschmolz zum einheitlichen Klangkörper und trug  das Publikum mit seinen Klängen.  Tosender langanhaltender Beifall war der Lohn für die Künstler.

In diesem Jahr gibt es noch mehrere Gelegenheiten, diesen einmaligen Klangkörper zu erleben:  In der Reihe „Klassisches Erbe“ in der Marktkirche,  in der Aula der Universität in „Händel zu Hause“  und in der Oper „Der geduldige Sokrates“. Ganz ihrem Namen folgend werden die Musiker zu den Händelfestspielen in Halle eine tragende Rolle übernehmen.

Gisela Tanner www.webredakteurin.com
Foto: © Theater, Oper und Orchester GmbH Halle  Fotograf: Falk Wenzel -Händelfestspeilorchester mit Sophie Harmsens  (Piacere), Melanie Hirsch (Bellezza),  Owen Willetts (Disinganno) und Robert Sellier (Tempo)