Floh im Ohr – Warum soll man im Theater nicht auch mal seinen Spaß haben?

v.l.n.r.: Petra Ehlert (Lucienne Homenides de Histangua), Till Schmidt (Poche), Andreas Range (Carlos Homenides de Histangua) © Theater, Oper- und Orchester GmbH, Foto: Falk Wenzel

[v.l.: Petra Ehlert (Lucienne Homenides de Histangua), Till Schmidt (Poche), Andreas Range (Carlos Homenides de Histangua) ©  Foto: Falk Wenzel] Die Zeiten sind bewegt, Nachrichten, die nicht gerade zum Frohsinn beitragen, tickern ständig über traditionelle und neue Nachrichtenkanäle. Da kommt doch diese Komödie von Georges Feydeau mit dem Titel „Floh im Ohr“ gerade recht, denn was da auf der Bühne abläuft, das lässt zumindest für 2 1/2 Stunden den alltäglichen Wahnsinn vergessen.

Regisseur Philippe Besson schickt seine Akteure, die sichtlich Spaß an ihrem Spiel haben, in einer temporeichen Inszenierung auf die Bühne. Da knallen Türen, Menschen begegnen einander und die Handlung scheint sich zu überstürzen. Doch worum geht es und was verbindet die  ehrenwerte Familie  Chandebise mit dem verruchten Hotel »Zur zärtlichen Miezekatze«. Eine vage Vermutung, sich verselbständige Gerüchte und unfassbare Verwechselungen rufen erhebliche Turbulenzen hervor.

Bestimmte Indizien lassen Camille Chandebise (Elke Richter)  vermuten, dass sich ihr Angetrauter in besagtem Etablissement vergnügt. Ihre Freundin (Petra Ehlert) zögert nicht, Madame Chandebise bei der Überführung des vermeintlichen Sünders zu helfen, indem sie den ahnungslosen Victor-Emmanuel Chandebise  (Till Schmidt) mit einem Brief in ein Zimmer in der „Miezekatze“ lockt. Doch der schickt jemand anderen dorthin. Dem Gatten von Lucienne wiederum fällt besagter Brief in die Hände, er erkennt die Schrift seiner Frau  und so nimmt das Unheil seinen Lauf. Dazwischen versucht Dr. Finache (Peter W. Bachmann mit fülliger Lockenpracht) Ruhe in die aufgewühlten Gemüter zu bringen.

Im Hotel »Zur zärtlichen Miezekatze«, das von Augustin Feraillon (Karl-Fred Müller) mit strenger Hand geführt wird, gibt man sich der Zweisamkeit hin, hat aber auch die alltäglichen Arbeiten eines Hotelbetriebs zu erledigen. Männer in Frauenkleidern, heiße Liebhaber, ein Zimmer mit Alibifunktion, da kann man sich vergnügen.

Was die Zuschauer an diesem Premierenabend in üppiger Kulisse und mit Schauspielern in überdrehten Kostümen (beides  Henrike Engel) erlebten, war Boulevardtheater vom Feinsten.  Es fällt schwer, jemanden hervorzuheben, das nt überzeugte wieder einmal durch hervorragende Teamarbeit. Und doch, wie Till Schmidt in seiner Doppelrolle zwischen  dem seriösen Geschäftsmann Victor-Emmanuel Chandebise und dem betrunkenen Hoteldiener mit halleschem Slang wechselte, ist schon beeindruckend. Auch Hagen Ritschel mit seinem Sprachfehler (erinnerte ein wenig an Pension Schöller) hatte die Lacher auf seiner Seite. Ebenso sollten Elke Richter und Petra Ehlert als Damen aus besseren Kreisen mit ihren kleinen Problemchen nicht unerwähnt bleiben.

Ja, und da wären noch Matthias Walter als Freund des Hauses, Andreas Range als eifersüchtiger  Carlos Homenides de Histangua, der gestrenge Hoteldirektor Augustin Feraillon (Karl-Fred Müller), Nils Thorben Bartling als Diener Etienne,  Annemarie Brüntjen als dienstbarer Geist Antoinette,  Enrico Petters als zauberhafte Olympe,  Jörg Simonides mit Alibifunktion und aus dem Studio mischten  Malick Bauer und Paul Sies kräftig mit.

Das Publikum hatte bei dieser Premiere auf jeden Fall seinen Spaß und dankte es mit kräftigem langanhaltendem Beifall.  Der Mensch braucht also nicht nur schwerwiegendes Theater mit hochproblematischen Themen, manchmal möchte er sich einfach nur vergnügen!

 

Gisela Tanner

 

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