Faust I und II im satirischen Exkurs an einem Abend im neuen theater Halle

Nils Andre Brünnig als Faust © Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH, Falk Wenzel

[Nils Andre Brünnig © Foto: Falk Wenzel] Ein turbulentes Spiel mit musikalischer Umrahmung erlebten die Premierenzuschauer am 21. September 2018 im neuen theater Halle. Dieser Abend wurde mit Spannung erwartet, nicht nur weil nt- Intendant Matthias Brenner Goethes Faust I und II als Stück für einen Theaterabend in Szene gesetzt hat, sondern auch, weil gleich zwei neue Ensemblemitglieder des Theaters in Hauptrollen ihr Debüt gaben. Nils Andre Brünnig gab den Faust und Nora Schulte das Gretchen. Ihnen zur Seite standen Hagen Ritschel als Mephisto, Bettina Schneider als Marthe und Nicoline Schubert als Kaiserin/ Helena. Außerdem im Schauspielteam  Michael Rothmann (Gast),  Enrico Petters und Axel Gärtner als Marschalk, Bischof  und Narr sowie Amelie Kriss-Heinrich und  Manuel Thielen vom Studio.

Faust I und II zusammen, das ist wahrlich kein leicht verdaulicher Stoff, in Halle ein Theaterabend in 3 1/2 Stunden. Goethes Faust I kennt man ja noch aus der Schulzeit, hat vielleicht schon die eine oder andere Inszenierung dazu gesehen.  Faust 2 hingegen wird eher selten aufgeführt und die Details sind nicht jedem bekannt. Außerdem hat sich in den letzten Jahren die Lesart des Werkes geändert, Faust ist nicht mehr der strahlende Held, sondern wird eher differenziert gesehen. Wer mehr dazu erfahren möchte, dem sei das Programmheft mit Beiträgen verschiedener Autoren ans Herz gelegt. Hilfreich war auch die Einführung vor dem Stück, in der zu erfahren war, dass die Teile nicht nacheinander gespielt werden, sondern ineinander verwoben sind. Der Kenner wird die Unterschiede bemerken, auch kommt Faust von Beginn an als junger Mann daher und muss sich nicht erst verjüngen.

Eine wichtige Rolle bei der Inszenierung spielte die musikalische Umrahmung, Ralf Schneider und Ivo Nitschke (Percussion –  Staatskapelle Halle) unterstützten die Schauspieler äußert professionell und erhielten zum Schluss dementsprechenden Beifall.  Dass Intendant Matthias Brenner für die Hauptrollen ein junges Team eingesetzt hat, kam der Inszenierung sehr entgegen, denn auch die körperlichen Anforderungen waren nicht ohne. Auf einer stark geneigten schiefen Ebene zu klettern, zu rutschen und zu laufen, dazu gehört schon eine Portion Standfestigkeit, Mut und Fitness (Bühne Nicolaus-Johannes Heyse). So turbulent wie der Ablauf, so war auch der Inhalt, selten gab es ruhige Momente, alles war in Bewegung, ein „Gewimmel“ halt. Hagen Ritschel als Mephisto wuselte über die Spielfläche, dass es eine Freude war. Auch die beiden Debütanten überzeugten. Nicoline Schubert und Bettina Schneider unterstützten mit ihrer Bühnenerfahrung die Neulinge und die drei Herren Michael Rothmann,  Enrico Petters und Axel Gärtner trugen mit ihren Leistungen genauso zum Erfolg bei wie die Akteure vom Schauspielstudio. Es war wieder eine reife Ensembleleistung, die bewiesen hat, dass die „Neuzugänge“ gut in das Team aufgenommen wurden. Natürlich durfte auch der Osterspaziergang nicht fehlen, einige Zuschauer durften sogar mitsprechen.

Alles in allem ein gelungener Abend, an dem ein paar Vorkenntnisse nicht geschadet haben. Die Zuschauer dankten es mit langanhaltendem starkem Beifall.

Gisela Tanner

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