Europameisterschaften Kanu: Lisa Fritsche ist plötzlich die Nummer 6 in Europa

© BSV HalleDie Kanuslalom – Europameisterschaften im Kanupark Markkleeberg fanden an drei Tagen vom 29.-31.05.2015 statt. Für die beiden Boote des BSV Halle konnte die Voraussetzungen unterschiedlicher nicht sein: Die Debütantin Lisa Fritsche schnupperte erstmals die „große“ internationale Luft, das C2-Duo Kai und Kevin Müller mit schon großer internationaler Erfahrung wollte sich nach nervenaufreibender Qualifikation neu beweisen. Dass die Trauben hoch hängen – das war keine neue Erfahrung, aber die Ergebnisse zu Beginn der Saison waren hoffnungsvoll, auch wenn es kein Edelmetall „regnete“.

Ein Drama in drei Akten: Qualifikation, Halbfinale und Finale.

DIE QUALIFIKATION:

..ist immer die erste Standortbestimmung. Lisa Fritsche nahm diese Hürde souverän und kam mit Platz 7 problemlos unter die besten 20 Kanutinnen des Kontinents. Prominente Konkurrenz – von Olympiasiegern, Weltmeister, Europameister, alles war vertreten. Den zweiten Qualifikationslauf konnte sich die 22-jährige sparen, andere mussten noch einmal ran. Wie die Zwillinge Kai und Kevin, denen der 18. Platz nach dem ersten C2 – Lauf nicht reichte. Denn nur die ersten 15 kamen auf Anhieb weiter. Um die weiteren 5 Plätze stritten sich die restlichen Fahrer des Feldes. Doch diese Prüfung bestanden die Müllers und das Halbfinale konnte kommen.

DAS HALBFINALE:

Hier muss man schon auf’s Ganze gehen, um zu den 10 auserwählten Finalisten zu gehören. Lisa legte im Kajak eine „coole Fuhre“ hin und qualifizierte sich mit der drittbesten Zeit für das große Finale. Alle drei deutschen Mädels dabei: Ein Bravo für Melanie Pfeifer, Ricarda Funk und Lisa Fritsche. Bei Kai und Kevin rutschte es nicht so gut – man spürte die Anspannung und auch den Willen, wie im Vorjahr in Wien das Finale zu erreichen. Nach dem Rennen konnte man in zwei traurige Gesichter schauen, denn der 12. Platz war zu wenig.

DAS FINALE:

Hier waren Risiko, Übersicht und absolute Beherrschung des Bootes gefragt. Lisa fuhr wie im Halbfinale mit Mut und Energie. Die Zeit war gut – jedoch waren es zwei Berührungen, die Platz 6 einbrachten. Fast hätte es zu Platz vier gereicht, noch „fast-er“ zu Platz drei, wenn der Lauf fehlerfrei geblieben wäre. Die Zwillinge Kai und Kevin  schauten zu im C2 – Finale dann
zu, wie die anderen beiden deutschen Boote sich Gold (Behling/ Becker) und Silber (Anton/Benzien) holten.  Nun folgten noch die Mannschaftsentscheidungen – ein Lauf musste entscheiden.

DAS MANNSCHAFTSFINALE:

Die Hoffnungen waren groß auf einen Medaillengewinn. Das Frauenteam fing sich gleich am Tor drei eine „50“ ein und statt Bronze kam der siebente Platz heraus. Schade. Den C2-Piloten erging es noch ärger. Klar auf Goldkurs liegend kam es am vorletzten Tor zu einer unglücklichen Stangenberührung des ersten Bootes im Teams – und der Schwung der Stangen erzeugte die „50“ Strafsekunden, die dem Team das Erfolgserlebnis nahm. Nochmal schade.

DAS FAZIT:

Edelmetall wurde von dieser Meisterschaft leider nicht nach Hause mitgebracht – aber die Erkenntnis, dass man auf einem guten Wege ist. Lisa ist plötzlich die Nummer 6 in Europa: „6. Platz bei meiner ersten ‚großen‘ EM. Ich bin super zufrieden & freue mich auf die weitere Saison. Daaaaaanke an alle. Ihr wart der Wahnsinn.“ Das ist mehr als nur ein Achtungserfolg, denn es ist schon ein kleiner Paukenschlag, als Newcomer sich sogleich Respekt in der Kanuwelt zu verschaffen. Die folgenden Weltcupveranstaltungen werden hoffentlich noch Anlass zu weiterer Freude geben.

KaiKev Müller: glaubt weiter an Euch. Noch ein kleiner Schritt und ihr habt die Top 10 wieder erreicht. Kopf hoch und nach vorne geschaut.

Ein Wort noch zum Publikum und den Organisatoren. Die Begeisterung der angereisten Teams war grenzenlos. Ein ständig über sich hinauswachsender Moderator, ein sportlich faires Publikum, welches bei den Deutschen Teammitgliedern zur akustischen Hochform auflief und der ausrichtende
Leipziger Kanuclub bleibt auf lange Zeit in den Herzen und Köpfen aller aktiven Sportler und Zuschauer. Für das deutsche Team war die EM ein Riesenerfolg: 2 x Gold und 4 x Silber.

Quelle: www.bsv-halle.de