Eine Reise in die Kindheit – Musical „Peter Pan “ an der halleschen Oper

Björn Christian Kuhn ( Peter Pan), Cusch Jung (Captain Hook) (c)Foto: Uwe Köhn
Björn Christian Kuhn ( Peter Pan), Cusch Jung (Captain Hook) (c)Foto: Uwe Köhn
Björn Christian Kuhn ( Peter Pan), Cusch Jung (Captain Hook) (c)Foto: Uwe Köhn

Wer bei modernen Theaterinszenierungen an ein puristisches Bühnenbild und zurückhaltende Kostümierung denkt, der sollte sich an der halleschen Oper das Musical „Peter Pan“ anschauen. Da glitzern die Sterne,  Akteure fliegen durch die Luft, Seeräuber erobern die Bühne, Seejungfrauen geben sich ein Stelldichein und Indianer laufen kreischend über das Areal.  Das alles ist zu erleben in der deutschsprachigen Erstaufführung des Musicals „Peter Pan“ in Halle, das  2007 seine szenische Uraufführung in der endgültigen Fassung erlebte.

In der halleschen Version führt Cusch Jung als Gast Regie, der gleichzeitig noch zwei Rollen spielt, für die Choreographie und die Einstudierung der Fechtszenen verantwortlich zeichnet.  Das opulente Bühnenbild und die Kostüme hat Karin Fritz als Gast entworfen. Grundlage des Musicals ist das Schauspiel von James Matthew Barrie, die Musik stammt von George Stile, Gesangstexte sind von Anthony Drewe , das Buch von Willis Hall,  deutsch von Roman Hinze.

Den Rahmen für die Geschichte gibt die alte Wendy, die immer wieder als Erzählerin auftritt, souverän interpretiert von Gabriele Bernsdorf. Zunächst wird das Publikum in ein Londoner Kinderzimmer geführt, in dem Peter Pan (Björn Christian Kuhn) , der eigentlich in Nimmerland wohnt, öfter mal heimlich vorbei schaut – er lauscht so gern den Geschichten, die den Kindern der Familie Darling erzählt werden.  Leider verliert er bei einer der Aktionen seinen Schatten. Als er  sich diesen wieder holt, wird er von Wendy (Ines Lex), der Tochter der Familie Darling, entdeckt und Pan lehrt sie kurzerhand das Fliegen, genauso wie ihren Brüdern John und Michael (In der Premiere Velten Schröter und Julius Dörner).

Dann beginnt für die drei Geschwister mit der Reise nach Nimmerland ein spannendes und aufregendes Abenteuer, das vom Premierenpublikum immer wieder mit Zwischenapplaus begleitet wird. Peter Pan, der bekanntermaßen nicht erwachsen werden möchte, führt die drei zu den verlorenen Jungs, erfrischend und wendig von halleschen Schülern gespielt. Die nehmen sich die gute Wendy (anrührend interpretiert von Ines Lex) gleich mal zur Mutter.  Auch den Piraten, die größtenteils mit dicken Bäuchen über die Bühne stolzieren und beim Publikum Heiterkeit auslösen, begegnen die Geschwister. An der Spitze dieser Räuberbande steht Captain Hook mit seiner Hakenhand, verkörpert vom Regisseur  höchstpersönlich. Amüsant – im sächsischen Dialekt – und überzeugend steht Smee (Olaf Schöder) seinem Räuberhauptmann zur Seite.  Da Peter Pan Schuld am Verlust der rechten Hand des Piratenkapitäns ist, will dieser Rache nehmen und die Darling-Geschwister werden in die Auseinandersetzungen verwickelt. Gleichzeitig muss sich Hook vor dem Krokodil in Acht nehmen, das schon die rechte Hand des Räuberhauptmann gefressen und Lust auf mehr hat. Ja, und eine Gruppe Indianerinnen unter Führung von Tiger Lily spielen auch noch eine Rolle. Und der Schluss, der wird noch nicht verraten, aber soviel sei gesagt, die Darling Kinder müssen nun doch erwachsen werden.

Das war trotz teils grausiger Geschichten für das Publikum ein heiterer Abend, der mit jubelndem Beifall belohnt wurde. Einen Anteil am Erfolg hatten auch die jugendlichen Darsteller, die mit Leichtigkeit und  unbeschwert auf der Bühne agierten. Ein besonderes Lob gilt Christian Kuhn als Peter Pan, der bewiesen hat, dass man in allen Lebenslagen – fliegend, über Kopf usw. – singen und spielen kann. Häufig stand ihm  Elfe Tinkerbell (Lara Bischof) dabei partnerschaftlich zur Seite.

Eine empfehlenswerte Inszenierung, die  auch  „ungeübten“ Opernbesuchern gefallen wird.

Gisela Tanner www.tannertext.de