Ein Phantom tanzt durch die hallesche Oper

© Gert Kiermeyer – Damen des Ballett Rossa, Dalier Burchanow, Tatsuki Takada, Markéta Šlapotová

Ob Gaston Lereux, der 1868 in Paris geborene Jurist, Reporter und Schriftsteller geahnt hat, dass sein Roman Le fantôme de l’opéra (Das Phantom in der Oper) einmal zu solchen Ruhm kommen würde?  Zunächst wenig beachtet, entstanden später nach der Romanvorlage Stummfilme und andere Filmwerke, und in der heutigen Zeit reist das gleichnamige Musical in der Fassung von Andrew Llyod Webber  um die Welt.

Auch der Chef der Halleschen Ballett-Compagnie,  Ralf Rossa,  hat sich dem Werk auf seine Art genähert. Zusammen mit David T. Heusel stellte er die musikalische Fassung zusammen, und so erleben die Zuschauer nach Musik von Alexander Glasunow, Frédéric Chopin, Camille Saint-Saëns und Michael Nyman einen Ballett-Abend, der keine Wünsche offen lässt, gibt doch das Werk von Liebesleid über  Eifersucht bis hin zu Schaurigem alles her, was eine packende Handlung verspricht. Angenehm am Premierenabend war auch, dass diesmal nach Live-Musik getanzt wurde. Die Staatskapelle Halle unter dem Dirigat von Robbert van Steijn und mit Dirk Fischbeck am Soloklavier intonierten die Werke der drei ausgewählten Komonisten in gewohnter Professionalität.

Das Publikum ließ sich am Premierenabend von der Musik tragen und folgte dem Geschehen auf der Bühne mit Begeisterung und Anteilnahme. Wenn die Tänzerinnen in ihren Tutus Pirouetten drehten,  wenn das Phantom  (Michal Sedláček) um die junge Tänzerin Christine Daaé (Ludivine Revazov-Dutriez) warb oder wenn die Primaballerina (Markéta Šlapotová)  ihre Solopassagen tanzte, lohnten es die Zuschauer häufig mit Szenenapplaus und Begeisterungsrufen. Auch Kaori Morito  als Madame Giry und Johan Plaitano als Raoul, der genau wie das Phantom an der jungen Tänzerin Christin interessiert war, wussten zu überzeugen. Weitere Solopartien waren dem Personal der Oper und dem Phantom sowie Madame Giry als Kind zugedacht.  Die “Kinderrollen” tanzten  Zdenko Galaba und  Hyona Lee  hinter einem durchsichtigen Schleier.  Das Opernpersonal – Direktor, Solotänzer usw. -verführten mit ihrem Darstellungen passagenweise zum Schmunzeln und am Schluss ließ das Phantom seine Maske fallen – ein gelungener Abend ohne Effekthascherei und mit glanzvollen Momenten, nicht nur für Ballettliebhaber zu empfehlen!

Weitere Vorstellungen: am Mittwoch, 05.12.2012 und am Samstag, 08.12.2012 jeweils um 19.30 Uhr in der Oper Halle

Gisela Tanner www.tannertext.de
Foto: © Gert Kiermeyer – Damen des Ballett Rossa, Dalier Burchanow, Tatsuki Takada, Markéta Šlapotová