Ein gräuliches Mahl an der Oper Halle

Was passiert, wenn eine Reinigungsfachkraft – jetzt leider im Mini Job – auf einen Theatersaal trifft, in dem das Publikum zwar anwesend ist, die Künstler aber fehlen. Dieser Frage widmete sich am Sonntag   – 21.10. –  die Oper Halle in ihrem Operncafé.  Zur Premiere der „theatralen Katastrophe“ entspann sich eine Geschichte, die die Zuschauer erheiterte, aber auch manchmal das Gruseln lehrte.

Munter nahmen die Opernsänger und Reinhard Straube vom nt sich selbst und ihre Zunft auf die Schippe,  versetzten ihre Geschichte mitten in die Stadt Halle und verteilten einige Seitenhiebe auf aktuelle Fernsehsendungen. So drohten sie mit Cindy aus Marzahn oder dem Supertalent mit Gottschalk und Bohlen. Die Reinigungsfachkraft – wunderbar verkörpert von Mária  Petrašovská – wollte schon immer mal auf die Bühne und versuchte sich an Bizets Carmen, der Klavierstimmer – Ingo Martin Stadtmüller (gleichzeitig musikalischer Leiter) – entpuppte sich als virtuoser Pianist und schnell wurden weitere Akteure, die zufällig vorbeikamen, „gecastet“.   Die Putzfrau  hielt die Fäden fest in der Hand und dirigierte Publikum und Akteure auf der Bühne. In kurzer Zeit stellte sie eine Theatertruppe zusammen, denn auch der Requisiteur – Olaf Schröder – wurde als Sänger engagiert und musste noch die Requisiten zusammensuchen. Die beiden Bettler – Reinhard Straube  und Björn Christian Kuhn, die direkt von der Kröllwitzer Brücke kamen und auch vor dem Publikum ihren Klingelbeutel öffneten, erheiterten die Zuschauer mit köstlichen Dialogen.  Björn Christian Kuhn erfreute zusätzlich mit seiner Sangeskunst … und sollte er die blonden Locken nicht auch privat tragen? Last but noch least blieb selbst der Wachmann – Nils Giesecke – von  einer Teilnahme an der kommenden Aufführung  von Johann Nestroys Posse (Musik Jaques Offenbachs)  »Häuptling Abendwind oder Das gräuliche Festmahl« nicht verschont.

Im zweiten Teil der Vorstellung zeigte die bunt zusammengewürfelte „Theatergruppe“ dann ihr Können. Vor einer improvisierten Kulisse, die schon wegen der vielen Totenköpfe mit funkelnden Augen ewas Bizarres bekam, agierten die Sechs in ebenso improvisierten Kostümen als Häuptlinge, Liebespaar, Koch und Bär. Mitten im Reich der Kanibalen lugte schon mal ein Bein aus dem Kochtopft und die Häuptlinge mit wilder Kriegsbemalung zeigten ihre Tänze. Eines sei schon verraten, es endet nicht so grausig wie erwartet und für das Publikum waren es vergnügliche Stunden mit Tuchfühlung zu den Künstlern. Ein heiteres Stück, das  Opernhaus- Chef Axel Köhler inszenierte, geeignet zur Stimmungsaufhellung an trüben Herbsttagen.

Nächste Vorstellungen am 22. und 30.Oktober 2012 jeweils um 20.00 Uhr  im Operncafé

Gisela Tanner www.tannertext.de

Foto: © Gert Kiermeyer, v.l. Björn Christian Kuhn, Mariá Petrašovská, Reinhard Straube, Olaf Schöder

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