Effi Briest – wie aus Streben nach Reichtum und Macht pure Verzweiflung wird

Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, copyright by Falk Wenzel
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Man kennt die Geschichte der jungen Frau Effi Briest, die eigentlich in die Welt hinausgehen und das Leben genießen will, meist schon  aus der Schulzeit. Doch sie ist immer wieder anrührend. Im neuen theater Halle hat sich Alice Asper  als Gast diesem Werk Fontanes angenommen und  in einer Fassung  für die Kammer des Theaters  zur Premiere gebracht. So begegnet uns von den Eltern der Effi auch nur die Mutter (Elke Richter) und der Vater wird mit seinem legendären Spruch – „Das ist ein weites Feld …“ –   zitiert. Das Bühnenbild ist reduziert, nur weiße Vorhänge umrahmen die Spielfläche, zwischen denen die Akteure immer wieder auftauchen  und verschwinden, manchmal auch starr verharren.

Es fängt alles so harmlos an, die junge Effi Briest – hochemotional und authentisch von Stella Hilb dargestellt – sitzt  undbeschwert im Garten  auf einer Schaukel und freut sich auf das Leben. Dann kommt ihre Mutter, die sich längst mit den gesellschaftlichen Gegebenheiten arrangiert hat,  auf die verhängnisvolle Idee, sie mit dem karrieresüchtigen Baron Geert von Innstetten  (Peter W. Bachmann) zusammenzubringen.  Die Mutter selbst war einst mit ihm verbunden, hat sich aber dann für von Briest entschieden, der  mit Raps sein Einkommen verdient. Innstetten ist mehr als doppelt so alt wie Effi und lässt sie wegen seiner beruflichen Verpflichtungen oft allein. Die muss sich mit Einsamkeit, den spießigen Bewohnern ihrer neuen Heimatstadt und einem spukenden Haus herumschlagen. Man munkelt sogar, dass Instetten selbst für den Spuk sorgt, um seine junge Frau zu disziplinieren.

Die lebensfrohe junge Effi leidet unter ihrem lieblosen Ehemann, auch wenn er die Karriereleiter hinaufsteigt und später sogar nach Berlin versetzt wird.  Peter W. Bachmann spielt den Baron Geert von Innstetten mit solcher Härte, dass es einem kalt den Rücken herunterläuft.  Einzig Alonso Gieshübler (Karl-Fred Müller) begegnet der jungen Frau mit freundlicher Zuwendung und natürlich Major Crampas (Hagen Ritschel), mit dem Effi sich in ihrer Sehnsucht nach Lebendigkeit auf eine Affäre einlässt.   Als Effi ein Kind bekommt, holt sie sich die ungeliebte Roswitha (Bettina Schneider mit  spröden Charme) als Hilfe ins Haus, wieder ein Grund für die kleinbürgerlichen Nachbarn, sich über Effi das Maul zu zerreißen.  Besonders Sidonie von Grasenabb (Barbara Zinn) mäkelt ständig an der jungen Frau herum.

Instetten, der von seinem Ehrbegriff fast zerfressen wird, entdeckt Jahre später die Affäre seiner Frau mit Major Crampas. Trotz Warnung und eindringlichem Abraten, u.a. von Ministerialrat Wüllersdorf (Peer-Uwe Teska), fordert er Crampas zum Duell heraus. Crampas stirbt, Effi wird verstoßen, auch von ihren Eltern,  und zerbricht an Lieblosigkeit und Kummer über die Trennung und Entfremdung von ihrem Kind.

Effi Briest in der Inszenierung von Alice Asper ist ein Lehrstück darüber, wie ein Mensch an fehlender Zuwendung und durch rücksichtsloses Streben nach Macht und Geld zerbricht.

Nächste Vorstellungen: 08.12.2014 20:00 * 28.12.2014 18:00 * 10.01.2015 20:00

Gisela Tanner

Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, copyright by Falk Wenzel