Die Tage danach – Halle nach dem Beschluss des Landtages zum Kulturetat

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Seit Mittwoch ist es beschlossene Sache, den Theatern in Halle wird der jährliche Zuschuss vom Land um ca. 3 Mio. Euro gekürzt. Auch das Theater in Dessau ist betroffen. Magdeburg bleibt von den Kürzungen unberührt. Bis zum Schluss hatten nicht nur die Theaterleute und kulturinteressierte Hallenser  versucht, den Beschluss zu kippen.

Volksinitiative Kulturland spricht im Landtag von Sachsen-AnhaltDie Initiativen „5 vor 12“ und „Kulturland Sachsen-Anhalt“ machten die Bevölkerung Sachsen-Anhalts mobil. Letztere erhielt  sogar Rederecht im Landtag, da sie mehr als 30 000 Unterschriften sammeln konnte.  Stellvertretend für die Initiative „Kulturland Sachsen-Anhalt“ hielt Olaf Schöder (Foto) eine hoch emotionale Rede vor dem Landtag. Der genaue Wortlaut ist hier nachzulesen.

 

Das neue theater ist besetztDas Neue Theater in Halle um seinen Intendanten Matthias Brenner  rief die Bevölkerung zur Besetzung des Theaters auf, die gestern mit dem Ausrufen der Freien Kultur- und Bildungsrepublik in Halle endete und mit seinen kreativen Aktionen viel Zuspruch fand. Auch bekannte Künstler wie Ragna Schirmer und Falkenberg schlossen sich dieser Aktion an. Wir haben hier darüber berichtet.

Die Enttäuschung über den Beschluss sitzt tief, nicht nur weil das Geld gekürzt wurde, sondern auch, weil   sich die betroffenen Intendanten und Initiatoren der Volksinitiativen von der Landesregierung nicht beachtet fanden. Ein kalter Wind blase von Magdeburg nach Halle, meinte Brenner. Die Landesregierung sieht das freilich anders und verweist auf ihre Verantwortung für das „Ganze“.  Finanzminister Bullerjahn ist mit seinem Haushalt zufrieden.

Das neue theater ist besetztIn Halle hingegen reagiert jeder auf seine Weise. Oberbürgermeister Wiegand, der sich an der Menschenkette innerhalb der Theaterbesetzung beteiligt hatte und auch nach der Bundestagswahl noch in den hallischen Theatern gesehen wurde, verhandelt mit der Landesregierung um Übergangslösungen im Rahmen des Strukturausgleichsfonds zu finden. Frank Hirschinger, Orchestervorstand  Staatskapelle Halle,   erklärt „aus Protest gegen die Kultur- und Bildungspolitik der Landesregierung und der sachsen-anhaltischen CDU“ seinen Parteiaustritt, begründet das  „vor allem mit der katastrophalen Kultur- und Bildungspolitik der CDU-SPD-Landesregierung und der CDU-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt“ und findet harte Worte gegen seine ehemaligen Parteifreunde, besonders die Landtagsabgeordneten aus Halle. Auf  seiner Facebook-Seite veröffentlichte er die Begründung seines Austritts. Wie im Hallespektrum nachzulesen, verteidigt SPD-Landtagsabgeordnete Katja Pähle aus Halle ihre Zustimmung zum Landeshaushalt damit, dass sonst alles, was vom Land zu finanzieren sei, auf der Kippe stehe.  Jeder mag sich dazu seine eigene Meinung bilden.

Enttäuschung und Frustration machen sich breit, besonders, weil die Landesregierung so wenig auf die Protestierenden und die Theaterleute eingegangen ist und weil sich die Kürzungspläne besonders auf den Süden Sachsen-Anhalts konzentriert haben. Die Frage, was aus den Theatern der Stadt Halle wird, ist jetzt nicht zu beantworten, ist eine Insolvenz in den nächsten Jahren abzuwenden? Wichtig ist, dass man nicht gleich wieder zur Tagesordnung übergeht, sondern als  Bürger die Abgeordneten des Landtags  daran erinnert, von wem sie gewählt wurden.

Gisela Tanner und die Saalereporter

Fotos: tannertext
Foto von Olaf Schöder/Quelle: Landtag von Sachsen-Anhalt

Theaterbesetzung Halle Das neue theater ist besetzt