Die Nibelungen – Großes Theater am nt

© Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH, Falk Wenzel - Annemarie Brüntjen (Kriemhild), Alexander Gamnitzer (Siegfried)

[© Foto: Falk Wenzel – Annemarie Brüntjen (Kriemhild), Alexander Gamnitzer (Siegfried)]  That’s Life: Fast wäre die dritte Aufführung der „Nibelungen“ am neuen theater Halle ins Wasser gefallen, und das nicht, weil es dieser Tage in der Region kräftig regnete und stürmte, sondern weil ein Schauspieler nachmittags erkrankte. Aber – und das nahm das Publikum dankbar wahr –  man fand eine Lösung, Schauspieler  Martin Reik übernahm kurzerhand die Rolle und es wäre wirklich schade gewesen, wenn dieser Abend ausgefallen wäre.

Der Stoff der Nibelungensage war in den 1850er Jahren Ausgangspunkt für Friedrich Hebbels Trauerspiel. Daraus ein Epos zu formen, das auch in unsere Zeit passt, hat sich nt-Intendant Matthias Brenner gleich zu Beginn der aktuellen Spielzeit 2017/18 in seiner Inszenierung zur Aufgabe gemacht und dazu einen großen Teil der nt-Schauspieler mit herangezogen.

Aus völlig neuer Perspektive – die Bühne verlief über die gesamte Länge des Theaterraumes – spielte das nt- Ensemble in einem großflächigen und doch reduzierten Bühnenbild von Nicolaus-Johannes Heyse. Dabei wurde das Stück von Hebbel, das eigentlich für zwei Abende gedacht war, auf ca. drei Stunden reduziert. Das Spiel um Machtstreben, Liebe, Rache und Mord kann seinen Lauf nehmen. Obwohl drei Stunden Spielzeit vom Zuschauer schon Geduld erfordern, kommt in keinem Moment Langeweile auf.  Die Akteure sprühen nur so vor Energie, etwa wenn Gerenot (Max Radestock) und Giselher (Robin Krakowski a.G.) ständig im Gleichklang über die Bühne huschen und Siegfried (Alexander Gamnitzer) sich kraftvoll als Held präsentiert.

Eine Rahmenhandlung bringt das Stück in die Neuzeit und bald wird klar, dass die angeblichen Helden gar nicht so heldenhaft waren, wie einst von gewissen politischen Kreisen behauptet und hochgelobt wurde. Vielmehr nehmen die Frauen das Heft in die Hand  – Brunhild (Sybille Kreß), Frigga (Barbara Zinn), Ute (Bettina Schneider) und vor allem  Kriemhild (Annemarie Brüntjen in facettenreichem Spiel). Sibille Kress spielt die Brunhild so eiskalt und emotionslos, dass einem Schauer über den Rücken laufen.

Was das Schauspielensemble dieses Theaters auszeichnet ist vor allem das Zusammenspiel, keiner ist ein Star, jeder hat den gleichen Raum sich zu entfalten. So wie Nils Thorben Bartling als König Gunther, Enrico Petters als Hagen Tronje  und  Andreas Range, Stanislaw Brankatschk und Jörg Simonides als Volker, Rumolt und Kaplan, genau wie  Frank Schilcher als König Etzel. Mit Bravour meistern sie die anspruchsvollen Texte.

Wurde schon erwähnt, dass Matthias Brenner in seiner Truppe auch ausgezeichnete Musiker hat, so hauen Alexander Gamnitzer und Andreas Range kräftig in die Tasten bzw. in die Saiten. Unterstützt werden die Schauspieler von Mitgliedern des Jugendclubs.

Eine beeindruckende Inszenierung ist dem nt-Intendanten da gelungen, vom „Staub“ des 19. Jahrhunderts befreit und doch authentisch.

 

Gisela Tanner