Die Kultur des Zitierens

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Auf Musikalische Spurensuche von Tschaikowski bis Tocotronic geht Literaturwissenschaftler Sebastian Görtz  in  Reihe „Musik hinterfragt“ am  Mittwoch, 30. Januar, um 19.30 Uhr im Händel-Haus. Görtz verdeutlicht an Beispielen, wie das Stilmittel des Zitats zu einem entscheidenden Kennzeichen der zeitgenössischen Musik wurde.

So ließ schon Peter Tschaikowski in seiner patriotischen Ouvertüre von 1812 Fragmente der Marseillaise in Kanonendonner verstummen. 1969 protestierte Jimi Hendrix mit seiner Version von The Star-Spangled Banner, der Nationalhymne der USA, gegen den Vietnamkrieg, indem er die Hymne durch extreme Gitarrentremoli in Klagelauten, Bombengeheul und Raketenlärm untergehen ließ. So unterschiedlich die Motivation von Tschaikowski und Hendrix auch war – beide greifen formal auf Zitate zurück.

Verweise spielten in der Musik immer eine große Rolle. Die Motivation war dabei durchaus unterschiedlich: Reminiszenz, Protest, Parodie. Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts hat sich die Bedeutung des Zitats sowohl in der E-Musik als auch in der Popkultur verschoben. Ironisierung, Dekonstruktion, Vieldeutigkeit und die Absage an einen Wahrheitsanspruch werden zu wichtigen Charakteristika postmoderner Kunst. Eine zeitgenössische Kultur des Zitierens wirft dabei unweigerlich Fragen von Fassung, Zitat, Plagiat und Urheberschaft auf.

Der Eintritt zum Vortrag ist frei.

Quelle: Stiftung Händelhaus