Die Kraft der Linie – neue Ausstellung in der Brücke-Sammlung der Moritzburg

Die Sammlung Gerlinger in der Moritzburg ist immer wieder für eine neue Ausstellung gut. Jetzt setzt das Kunstmuseum seine Trilogie über die Brücke Maler fort. Wurden zunächst Werke von Ernst Ludwig Kirchner gezeigt, dessen Bilder für ihn zugleich Tagebuch waren, so geht es bei der Ausstellung über Erich Heckel um die „Kraft der Linie“. Heckel benutzte die Linie als lineares Gerüst für seine Aquarelle, Kunstkenner nennen diese sogar colorierte Zeichnungen.

Mit Aquarellen und Zeichnungen lassen sich die Motive schnell und unmittelbar erfassen, so Wolfgang Buche, Kurator der Ausstellung. Heckel ging bei seinen Werken planmäßig und analytisch vor, er ging vom Linearen aus und fügte dann die Farben hinzu.

Die Ausstellung bezieht sich auf die Sammlung Gerlinger, einer Dauerleihgabe an die Moritzburg. Auch drei Neuerwerbungen sind darunter. In dieser Brücke-Schau wird die Stärke Heckels auch über die Brücke-Zeit hinaus dargestellt. Die aufeinanderfolgenden Ausstellungen über Kirchner, Heckel und Schmidt-Rottluff sollen es dem Ausstellungsbesucher ermöglichen, die unterschiedlichen Charaktere der Künstler zu vergleichen. Bei den Werken Heckels fließen besonders die Einflüsse seiner unmittelbaren Umgebung ein.

Die Ausstellung ist wieder in verschiedene Räume gegliedert, die neben den Zeichnungen und Aquarellen jeweils auch ein Gemälde als Referenzobjekt enthalten. Während im ersten Raum Heckels Werke der Brücke-Zeit mit ihrer Suche nach Darstellungsmöglichkeiten ausgestellt sind – –gut zu erkennen an den Modelzeichnungen der menschlichen Figur – geht es im nächsen Bereich um Arbeiten, die u.a. während des ersten Weltkrieges entstanden. Werke über die Zerstörungkraft des Krieges wurden allerdings ausgespart für eine spätere Ausstellung, zu sehen sind eher Landschaftsdarstellungen. Inspiriert wurde Heckel dazu von seinen Reisen, die ihn u.a. in die Alpen, in die Schweiz, nach Südfrankreich und nach Würzburg führten. Der dritte Bereich beschäftigt sich mit Heckels Werken von 1928 bis 1945, deutlich zu erkennen hier, wie er in seinen Aquarellen auch mit Kreide arbeitet. In der Zeit der Nationalsozialismus konzentriert sichHeckel  immer mehr auf Randgruppen. Ein neues Motiv fließt in seine Arbeiten ein, der Clown, der Außenseiter, der Narr. Heckel brauchte einige Zeit, um die Erlebnisse des Nationalsoialismus zu verarbeiten, schließlich war sein Atelier zerstört und er musste sich von den Schrecken der Zeit erholen. So sind in der letzten Koje Werke erst ab 1949 zu sehen, in denen er sich weiterhin mit Landschaften und Außenseitern beschäftigt, gleichzeitig werden seine Darstellungen immer reduzierter und er begibt sich auf eine geistige Position.

Zum Abschluss der Presse-Führung verriet Kurator Wolfgang Buche noch sein Lieblingsmotiv, „Mädchekopf (Fränzi)“ eine Bleistiftzeichnung von 1910, zu finden an der letzten Wand der Ausstellung, die skizzenhafte Darstellungen zeigt.

Übrigens, die Ausstellungseröffnung wird die letzte Amtshandlung der scheidenden Oberbürgermeisterin in der Moritzburg sein, begleitet wird sie dabei von einer Delegation aus der Partnerstadt Karlsruhe.

Text: Gisela Tanner www.tannertext.de

Foto:
Erich Heckel
Fränzi mit Decke, 1909
Aquarell
Sammlung Hermann Gerlinger
© Archiv Gerlinger

Erich Heckel. Kraft der Linie
Kunstmuseum zeigt Zeichnungen und Aquarelle des „Brücke“- Künstlers
aus der Sammlung Hermann Gerlinger
vom 07.10.2012 bis 13.01.2013
Eröffnung: Samstag, 06.Oktober 2012, 15 Uhr