Die Kameliendame – Ballettcompagnie Rossa tanzt sich in die Herzen der Zuschauer

Ensemble Ballett Rossa © Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, Foto: Anna Kolata

[Foto: Anna Kolata] Das war ja mal ein Abend für Freunde des klassischen Balletts, auch wenn man die Inszenierung keinesfalls als altbacken bezeichnen kann. In opulenter Kulisse (Matthias Hönig) und mit prächtigen Kostümen (Mechthild Feuerstein) tanzte die Compagnie um Ballettdirektor Ralf Rossa durch den Abend, an der Spitze  Yuliya Gerbyna als Kurtisane Marguerite Gautier  und  Michal Sedláček als Armand Duval.  Als Begleitmusik hat Rossa Werke von Pjotr Tschaikowski und Sergei Rachmaninow ausgewählt. Sie wurden von Band abgespielt.

Thematisiert hat Ralf Rossa die Kameliendame frei nach der Geschichte von Alexandre Dumas d.J. . Im Mittelpunkt steht die umworbene Kurtisane Marguerite Gautier, die sich während eines Balls in  Armand Duval aus gut bürgerlichem Hause verliebt. Der Vater will die Beziehung verhindern, hat zunächst Erfolg damit und erst als Marguerite im Sterben liegt, sie litt an Tuberkulose, kommen beide wieder zueinander und Armand überreicht ihr einen Strauß Kamelien.

Während es im Vorfeld der Premiere noch recht munter im Theatersaal zuging, es waren auch viele jüngere Zuschauer im Publikum, war es während der Aufführung dort ganz still und alle verfolgten gebannt das Bühnengeschehen, die Pas de Deux genauso wie die  aufwändig inszenierten Gruppentanzszenen. Wie gewohnt war die besondere Handschrift Ralf Rossas zu erkennen, eine beeindruckende Choreographie mit außergewöhnlichen Hebefiguren.  Doch was wäre eine anspruchsvolle Inszenierung, wenn die Tänzer nicht dahinter ständen. Nicht nur Marguerite Gautier  und  Michal Sedláček beeindruckten das Publikum, sondern auch Andrij Holubovskyy  als Armands Vater Monsieur Duval,  Gaston Rieux als Johan Plaitano und Denise Dumröse als Marguerites Vertraute Madame Flora, nicht zu vergessen die gesamte Compagnie, die in den Szenen auf dem Lande genauso überzeugte wie in den Ball-Szenen. In der Truppe gibt es kein „Star-Gehabe“ sondern jeder trägt auf seinem Platz zum Erfolg bei.

Es gab diesmal keinen Szenenwechsel auf Offener Bühne, jedes Mal fiel der Vorhang um dann das Publikum mit einem neuen Bühnenbild zu überraschen. Das verdient auch ein Lob für alle, die hinter der Bühne arbeiten. Ob im blauen Salon der Kurtisane, im prächtigen roten Ballsaal oder in den weiß dominierten Szenen auf dem Land, immer waren es Bilder, die die Handlung unterstrichen. Besonders nachhaltig wirkte die Gewitterszene nach der Unbeschwertheit beim Picknick. Das Unheil schien sich anzudeuten.

Ralf Rossa zeigt hier, dass man auch mit klassischen Mitteln durchaus modernes Ballett gestalten kann. Ungebremste Begeisterung – jubelnder Beifall, Standing Ovations und Bravo-Rufe zeigen, auf so eine klassische Aufführung hat das Hallesche Publikum gewartet.

 

Gisela Tanner