Die Dreigroschenoper – Gemeinschaftswerk von nt und Oper rockt das Opernhaus

v.l.n.r.: Annemarie Brüntjen (Polly Peachum), Martin Reik (Mackie Messer), Ines Lex (Lucy Brown) © Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH, Falk Wenzel

[Foto: Falk Wenzel] Mit Spannung wurde die Premiere der Dreigroschenoper im halleschen Opernhaus erwartet. Die Ensembles von Oper und neuem theater hatten sich zusammengetan, um das berühmte Musikstück vom  Brecht mit Musik von Weill auf die Bühne zu bringen. Brecht hatte sich dabei auf John Gays „The Beggar‘s Opera“ bezogen und verortete sein Stück im Londoner Stadtteil Soho.

Schon einmal waren die nt-Schauspieler in der Oper zu Gast, und das sehr erfolgreich mit dem Stück „Wut“ von Elfriede Jelinek in der Raumbühne. Diesmal erhielten die Akteure des Theaters Unterstützung von Mitgliedern der Staatskapelle Halle und von  Solistin Ines Lex als Lucy Brown.

Gleich zu Beginn holte  Harald Höbinger als Moritatensänger  einen wirklich sehr kleinen Leierkasten hervor, Halle muss sich ja so eine Inszenierung auch leisten können, meinte er mit einem Augenzwinkern. Die Musiker wurden dann recht unsanft auf die Bühne geholt, in Bettler- und Ganovenkreisen geht es eben etwas rauer zu!  Das tat aber ihrer Spielfreude keinen Abbruch, und so liefen sie unter Leitung von Michael Wendeberg zur Höchstform auf. Häufiger Zwischenapplaus war der Lohn.

Nach einer kurzen Aufwärmphase war auch den Schauspielern des nt die Lust am Stück anmerken. Es kam wieder das zum Vorschein, was die Truppe um Intendant Matthias Brenner auszeichnet, der Teamgeist, der zu einer ausgezeichneten Leistung führte, und singen und tanzen können sie auch noch.  Regisseurin und Chefdramaturgin des nt, Henriette Hörnigk, hatte überzeugende Arbeit geleistet. Claudia Charlotte Burchard zeichnete für Bühnen- und Kostümbild verantwortlich.

Allerlei Huren, Bettler und Diebe treiben sich auf dem Markt von Soho herum, darunter auch  Mackie Messer – kraftvoll interpretiert von Martin Reik, der sich  den Zorn des Ehepaars Peachum zuzog, weil er seine Tochter Polly geheiratet hatte.  Elke Richter und nt-Intendant Matthias Brenner  als Celia und  Jonathan Jeremiah Peachum, er ein Bettlerkönig, sie abhängig vom Alkohol, haben nur ein Ziel, Mackie Messer muss weg.  Dazwischen steht Annemarie Brüntjen als Tochter Polly, die die musikalischen Herausforderungen an ihre Rolle in allen Tonlagen meistert. Auch das Zusammenspiel mit Ines Lex, die als Lucy Brown ebenfalls Interesse an  Mackie Messer hat, klappt wunderbar. Die Opernsängerin ließ Annemarie Brüntjen stimmlich genug Raum und bewies, dass sie auch eine eindrucksvolle Schauspielerin ist.

Elke Richter drückt der  Celia Peachum ihren ganz eigenen Stempel auf. Matthias Brenner hatte ja schon mehrfach bewiesen, dass er nicht nur ein Theater leiten kann, sondern auch ein beeindruckender Schauspieler ist. Er ließ das Publikum sogar den Meckie Messer Song singen, und das hatte merklich Spaß daran.

Während der gesamten Premieren-Aufführung herrschte zwischen Publikum und Darstellern eine entspannte Atmosphäre, immer wieder gab es Zwischenapplaus. Dazu trugen auch Matthias Walter, Bettina Schneider, Peter W. Bachmann, Hagen Ritschel, Harald Höbinger, Till Schmidt, Karl-Fred Müller und  Jörg Simonides bei, die gleich in mehrere Rollen schlüpften.

Das war wirklich ein gelungener Premierenabend mit einem begeisterten Publikum, das ist doch auch mal schön!

 

Gisela Tanner