„Die Blechtrommel“ nach Günter Grass feiert Premiere am neuen theater Halle

v.l.n.r.: Alexander Gamnitzer, Annemarie Brüntjen, Nicoline Schubert, Elke Richter, Martin Reik a.G., Sybille Kreß, Nils Thorben Bartling, Robin Krakowski a.G. © Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH, Falk Wenzel THALIA THEATER SPIELPLAN KARTEN / ABOS SERVICE THEATERPÄDAGOGIK SPIELSTÄTTEN KONTAKT

Das neue theater Halle scheint auch in dieser Spielzeit auf Erfolgskurs zu sein, ausverkaufte Premieren allemal und auch die Nachfolgevorstellungen sind gefragt. Am 17. November nun stand die Premiere der „Blechtrommel“ auf dem Spielplan, als Buch von Günter Grass bereits 1959 erschienen und dann 1979 als Film von Volker Schlöndorff zu Weltruhm gelangt. Sogar einen der begehrten Oscars war der Film im Jahr 1980 wert.

Nun wagte sich also  Ronny Jakubaschk, der als freier Regisseur schon mehrmals für das nt gearbeitet hat, an die „Blechtrommel“ heran, an die Geschichte von dem Jungen, der seit seinem dritten Lebensjahr nicht mehr wachsen wollte. Dass man im nt besonders auf die Ensembleleistung wert legt, ist bekannt. Jetzt hat Jakubaschk gleich alle 8 Akteure auf der Bühne in Oskar Matzerath verwandelt, gleiche Haare gleiche Bekleidung. Ausreichend Platz zur Entfaltung hat der 8-fache Oskar auch, auf einer langen schiefen Ebene aus Brettern, in der ab und zu mal die Klappe zur Unterbühne aufgeht und diverse Gegenstände herabrollen. Rechts und links noch ein Turm und Platz für Requisiten, die den Schauspielern helfen, in weitere Rollen zu schlüpfen – ein reduziertes, aber überzeugendes und raumgreifendes Bühnenbild von  Annegret Riediger. Sie hat übrigens auch die Kostüme entworfen.

Mal im (Sprech)-Chor, mal als Solisten agieren Annemarie Brüntjen, Sybille Kreß, Elke Richter,  Nicoline Schubert,  Nils Thorben Bartling,  Alexander Gamnitzer,  Robin Krakowski  und Martin Reik auf der Bühne, und das fast drei Stunden lang (mit Pause).  Ermüdungserscheinungen sind trotz der langen Spieldauer aber weder beim Schauspielensemble noch beim Publikum zu bemerken. Dank der Verwandlung kommt es oft zu grotesken Szenen, etwa wenn Martin Reik als Kurtchen Matzerath ins Baby-Otfit schlüpft. Nicoline Schubert verwandelt sich kurzerhand in Oskars Mutter Agnes und Elke Richter hat unter ihrer Perücke gleich den Glatzkopf vom Meister Bebra versteckt. Bis zu 6 Rollen haben die 8 Ensemblemitglieder zu verkörpern und können gleich noch ihre Fähigkeiten im Dialekt sprechen beweisen. Diese Vielfalt lässt schon erahnen, dass es auf der Bühne nie langweilig wird, mal ernst, mal heiter, mal actionreich, aber nie hin zum Klamauk.  Auch die bekannte Szene mit dem Pferdekopf, der beim Aalfang hilft, darf nicht fehlen. Schließlich handelt sich Mutter Agnes danach eine „Fischfresssucht“ ein und stirbt daran.

Dass es ab und zu auch mal laut zu geht, war zu erwarten, schließlich ließ Oskar Matzerath mit seinem schrillen Schrei sogar Gläser zerspringen. Ein intensives publikumsfreundliches Stück hat Ronny Jakubaschk auf die Bühne gebracht und dem Ensemble ist die Spielfreude anzumerken.

Bleibt zu hoffen, dass auch andere Vertreter der halleschen Bühnen sich von dieser Freude am Theater  anstecken lassen und  ihre Gegensätze zum Wohle der hasalleschen Bühnen und des halleschen Publikums überwinden.

 

Gisela Tanner