Der Vorname – ein heiteres Spiel um ein ernstes Thema im neuen theater Halle

©Uwe Köhn - Till Schmid, Bettina Schneider, Cornelia Heyse und David Kramer (v.l.n.r.)
©Uwe Köhn  - Till Schmid, Bettina Schneider, Cornelia Heyse und David Kramer (v.l.n.r.)
©Uwe Köhn – Till Schmid, Bettina Schneider, Cornelia Heyse und David Kramer (v.l.n.r.)

Feiern mit Familienmitgliedern und Freunden haben ihre eigene Dynamik, wer hat das nicht schon selbst erlebt. Geplant ist ein entspanntes Treffen, aufwändig wird es vorbereitet, Frau steht stundenlang in der Küche und dann nimmt das Geschehen eine unerwartete und unangenehme Wende. So zu erleben auch in dem Stück „Der Vorname“, das kürzlich am neuen theater Halle Premiere hatte und Anfang Oktober wieder zur Aufführung kommt. Das Original stammt aus der Feder von den bekannten französischen Drehbuchautoren Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patelliere und erobert z.Z. auch  die deutschen Bühnen. In Halle hat Martina Eitner Acheampong als Gast die Regie übernommen.

Eigentlich geht es nur um den Vornamen eines noch ungeborenen Kindes. Weil die zukünftigen Eltern sich aber ausgerechnet für Adolphe – klingt genau wie Adolf – entschieden haben, kommt es zum Eklat. Dabei sollte  der Name doch an die Erzählung „Adolphe“ von Benjamin Constant erinnern, betont der zukünftige Vater und Bruder der Gastgeberin Vincent Larchet ( Harald Höbinger vom Thalia Theater). Aber das hilft nichts, Adolphe klingt wie Adolf (Hitler) und ist deshalb ein „No Go“, meinen zumindest die anwesenden Gäste.

Es versöhnt die Kontrahenten auch nicht, dass die mütterliche Gastgeberin  Elisabeth Garaud-Larchet  ( Petra Ehlert  kürzlich auch als „Mutti“ Merkel in der Theaterthekennacht) ein fulminantes Essen vorbereitet hat und der stetst auf Harmonie bedachte Claude Gatignol( David Kramer als sensibler Musiker) anwesend ist. Es kommt zum Eklat und die Stimmung kippt.

Besonders der Hausherr, Literaturprofessor Pierre Garaud (Till Schmidt als Gast) ist entsetzt. Weitere „Wahrheiten“ werden mit aller Wucht in die Runde getragen. Selbst als mit Hilfe von Anna Caravati (Bettina Schneider als  stolze werdende Mama)  ans Tageslicht kommt, dass das mit dem Namen nur eine Provokation war,  gibt es keine Ruhe in  der Gesellschaft. Es stellt sich heraus, dass der sensible Claude Gatignol – alle dachten, er sei schwul – schon lange ein Verhältnis mit der Mutter von Elisabeth und Vincent hat. Françoise Larchet (Cornelia Heyse  als Gast) wohnt nicht mehr in der Landeshaupstadt sondern malt in ihrem Garten fantasievolle Bilder – der Zuschauer konnte es auf der Bühne selbst  mitverfolgen. Sie lässt sich auf keine Diskussionen ein, sondern betont ihr Recht auf selbstbestimmtes und genussvolles Leben. Das löst bei der Gastgeberin einen traurig -wütenden Gefühlsausbruch aus. Sie, die immer auf den Familienfrieden bedacht war, brannte im Laufe ihrer Jahre aus, stellte ihre Wünsche zurück und niemand  kümmert sich um ihre Bedürfnisse.

Wie so oft beweist es sich auch hier, dass man mit heiteren Stücken die eine tiefe Wahrheit in sich tragen, das Publikum besonders berühren kann. Schön, das neben den Gästen auch auch ein Mitglied des Studios – Manuel Zschunke – die Chance bekam, bei diesem Stück mitzuspielen. Es gab am Ende jubelnden Beifall. Unter den Premieren-Zuschauern war übrigens auch Halles OB Bernd Wiegand.

Gisela Tanner www.tannertext.de
Foto: ©Uwe Köhn – Till Schmid, Bettina Schneider, Cornelia Heyse und David Kramer (v.l.n.r.)

Das Stück dauert ohne Pause ca. 1h 40min. Neuerdings sind auch im großen Saal die Plätze numeriert.
Nächste Aufführungen am 3. und 4. Oktober im neuen theater Halle