Der Volksfeind – Premiere am neuen theater zeigt – Stück von Ibsen ist so aktuell wie nie

Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, Copyright by Falk Wenzel v.l.n.r.: Hagen Ritschel (Peter Stockmann), Till Schmidt (Billing), Jörg Simonides (ein durchgehend angetrunkener Kurgast), Alexander Pensel (Doktor Thomas Stockmann), Karl-Fred Müller (Aslaksen), Bettina Schneider (Katharina Stockmann)
Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, Copyright by Falk Wenzel v.l.n.r.: Hagen Ritschel (Peter Stockmann), Till Schmidt (Billing), Jörg Simonides (ein durchgehend angetrunkener Kurgast), Alexander Pensel (Doktor Thomas Stockmann), Karl-Fred Müller (Aslaksen), Bettina Schneider (Katharina Stockmann)
v.l.n.r.: Hagen Ritschel (Peter Stockmann), Till Schmidt (Billing), Jörg Simonides (ein durchgehend angetrunkener Kurgast), Alexander Pensel (Doktor Thomas Stockmann), Karl-Fred Müller (Aslaksen), Bettina Schneider (Katharina Stockmann)Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, Copyright by Falk Wenzel

Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, Copyright by Falk Wenzel

Das nt hatte wieder einmal zur Premiere geladen, diesmal stand der „Volksfeind“ von Henrik Ibsen auf dem Programm. Regisseur Jörg Steinberg hat das Stück in der Bearbeitung von Florian Borchmeyer inszeniert.

Den Zuschauer erwartet beim Betreten des großen Saales auf der Bühne eine ausgemachte Wohlfühlatmosphäre, Sauna, Schwimmbad, Bar, bequeme Liegen, selbst ein paar Palmen, und  alles  in blau-weiß gekacheltem Ambiente (Bühne und Kostüme Tilo Steffens  als Gast).   Ja, diese Stadt hat es zu etwas gebracht, seit sie ihre vermeintlich gesunde Quelle vermarktet hat. Kurarzt Doktor Thomas Stockmann (Alexander Pensel) leitet die Kureinrichtung und führt mit Frau ( Bettina Schneider) und Kind ein zufriedenes Leben. Zu verdanken hat er diese Anstellung auch seinem Bruder und Bürgermeister der Stadt, Peter Stockmann (Hagen Ritschel). Obwohl, die wahre Bruderliebe scheint es zwischen den beiden doch nicht zu sein.

Die Kurgäste (wie Jörg Simonides) sind zufrieden, man plaudert, telefoniert nach Hause (Handys sind ja eigentlich nicht erlaubt),  lässt sich von Frau Stockmann verwöhnen, ist nach den neuesten Trends der Sport- und Wellnessmode gekleidet.  Doch wie so oft im Leben, in die scheinbare Idylle platzt eine ernüchternde Nachricht. Kurarzt Dr. Stockmann hat in böser Vorahnung das Heilwasser analysieren lassen, und das Ergebnis ist ernüchternd, das Wasser ist durch Industrieabfall verseucht. Er (Arzt Stockmann) hatte schon immer die Rohrleitungsführung kritisiert. Das Rohrsystem müsste erneuert werden, um diesen Mangel zu beseitigen. Das bedeutet Schließung des  Kurbades über einen längeren Zeitraum und damit Verdienstausfall und Ansehensverlust für die Stadt. Zunächst kann Dr. Stockmannn die Presse (Harald Höbinger, Till Schmidt) auf seine Seite bringen, wer lässt sich so eine Skandalgeschichte schon gern entgehen.

Doch alles wendet sich, als Bürgermeister Peter Stockmann die Nachteile des Skandals für die Stadt thematisiert, wer möchte schon seine Existenzgrundlage zerstören. Es kommt zu einem heftigen Streit zwischen den Brüdern, einer der Höhepunkte der Aufführung. Die Presse windet sich aus ihren Zusagen, angetrieben von den Bedenken des Verlegers Aslaksen ( Karl-Fred Müller). Sogar das Publikum wird nach seinen Wünschen befragt. Entsetzt über seinen Bruder  und das plötzliche Desinteresse von Presse und Bevölkerung hält Dr. Stockmann (Alexander Pensel) eine Wutrede, die das gesamte Gesellschaftssystem in Frage stellt, das Publikum ist ergriffen, die Kurgäste plappern  fröhlich weiter. Ein Laptop fliegt ins Wasser, es kommt zu einer Explosion. Die Zuschauer sind  angetan von der Realitätsnähe, als Feuerwehrleute auf der Empore nach dem Rechten schauen und ein Rauchmelder ein kontinuierliches Signal abgibt. Erst beim Verlassen des Saales stellt sich heraus, die Feuerwehr war wirlich da, ein Feuermelder hatte während der Explosion Alarm ausgelöst und den Löschzug anrücken lassen.

Diese besonderen Ereignisse sollten aber nicht von der Würdigung der Aufführung ablenken. „Der Volksfeind “ in der halleschen Inszenierung ist ein sehenswertes Stück, das die Grundidee Ibsens mit der heutigen politischen Situation verbindet. Eine Inszenierung gegen das Schwarz-Weiß-Denken, die die inneren Konflikte zwischen Ehrlichkeit, Machtstreben und  Existenzsicherung jedes Einzelnen aufzeigt. Alexander Pensel als junger Arzt erscheint genauso glaubwürdig wie Hagen Ritschel als sein Bruder Peter. Bettina Schneider gelingt es, sich als einzige Frau in der Herrenriege durchzusetzen. Peer-Uwe Teska gibt den schlitzohrigen Morten Kill und auch die anderen Schauspieler sind an dieser gelungenen Ensembleleistung beteiligt.

Gisela Tanner    www.tannertext.de  

Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, Copyright by Falk Wenzel

Nächste Vorstellungen:   14. März, 19:30 Uhr * 15. März, 15:00 Uhr * 05. April, 19:30 Uhr