Der geteilte Himmel am neuen theater Halle

v.l.n.r. Alexander Gamnitzer (Erzähler 1), Hilmar Eichhorn (Manfred), Nicoline Schubert (Rita), hinten: Esra Schreier (Erzähler 2) © Theater-, Oper und Orchester GmbH Halle, Fotos: Falk Wenzel

[©Foto: Falk Wenzel] Der Roman „Der geteilte Himmel“ von Christa Wolf hat einen besonderen Bezug zu Halle, schließlich wohnen die Eltern von Manfred, der männlichen Hauptfiguren des Romans, in Halle und wer den gleichnamigen Film von Konrad Wolf kennt, kann sich sicher an die Bilder aus der Stadt erinnern.

Nun hat sich Regisseur  Peter Dehler, der  schon „Weltall Erde Mensch“ und „Wann, wenn nicht jetzt?“ am neuen theater inszeniert hat, mit dem Stoff befasst. In ca. anderthalb Stunden bringt er  den (ausgewählten) Inhalt des Romans mit vier Schauspielern auf die Bühne. Nicoline Schubert und Hilmar Eichhorn spielen das Liebespaar Rita und Manfred. Ihnen zur Seite stehen Alexander Gamnitzer vom nt-Ensemble und Esra Schreier als Gast, die beiden tragen auch zur musikalischen Begleitung der Aufführung bei, genau wie Nicoline Schubert.

Dass es sich bei dem Roman um eine besondere Liebesgeschichte dreht, ist sicher bekannt. Er handelt um die Zeit des Mauerbaus 1961 in Berlin. Rita und Manfred verlieben sich, er, der Chemiker, ist wegen fehlender Anerkennung seiner Arbeit unzufrieden und verlässt das Land über Westberlin. Lehrerstudentin Rita ist auch kritisch den System gegenüber, glaubt aber daran, lernt durch ihre Arbeit in der Produktion – Studentenjob würde man heute sagen – den Zusammenhalt unter den Kollegen, aber auch die Missstände des Systems kennen. Bis zum Weggang Manfreds kämpfen die beiden  um ihre Liebe. Schließlich landet Rita nach einem Unfall – oder war es ein Selbstmordversuch – im Krankenhaus.

Und da setzt das Stück, genau wie der Roman, an. Ein Bett, Menschen in Bademänteln, weiße Paravents und dazwischen Rita, die sich langsam wieder an das Geschehen erinnert. Nicht überfrachten wollte er die Inszenierung, betont Dehler in einem Interview mit Radio Corax, keine Videos, keine Einspielungen, nur einmal der Glockenschlag vom halleschen „Big Ben“. Alexander Gamnitzer und Esra Schreier schlüpfen in verschiedene Rollen, immer im Bademantel und mit unterschiedlichen Accessoires. Die anspruchsvollen Texte von Christa Wolf werden von den beiden oft ins Publikum hinein gesprochen, das lässt andächtig die Texte von Christa Wolff auf sich wirken. Besonders beeindruckend war hier die Wandlungsfähigkeit der Schauspieler, gerade mit nur wenig „Hilfsmitteln“.

Rita und Manfred, das ungleiche Liebespaar, wird von Nicoline Schubert und Hilmar Eichhorn trotz der reduzierten Inszenierung in all seiner Zerrissenheit glaubhaft und hingebungsvoll dargestellt – Rita, die mit ihren Emotionen ringt und Manfred, der rationale Naturwissenschaftler, der trotz seiner Liebe zu Rita eher vernunftsmäßig an seine Lebensplanung herangeht.

Besonders Zuschauer, die diese Zeit selbst erlebt haben, wird diese Inszenierung nachdenklich stimmen, erinnert sie doch an die eigene Lebensgeschichte. Jeder musste für sich entscheiden, wie er mit den Einschränkungen des Systems und der emotionalen Verbundenheit zu Verwandten, Freunden, Kollegen und zur Heimat umgehen sollte: gehen, bleiben oder gar mitmachen? Zumindest bis zum Mauerbau 1961 war das Weggehen ohne Schwierigkeiten möglich. Die Jüngeren bekommen vielleicht eine Ahnung, welche Konflikte autoritäre Systeme auslösen.

 

Obwohl das Buch von Christa Wolf in der Grundstimmung der DDR gegenüber positiv ist, sind auch kritische Töne zu hören. Was es zu dieser Zeit bedeutete, sich kritisch zu äußern, kann wohl nur beurteilen, wer es selbst erlebt hat.

 

Gisela Tanner