Fazit der Veranstalter – das war „Women in Jazz“ 2013

womanjazzlogoAm vergangenen Sonntag, den 10. Februar 2013, ist nach zehn Tagen das 8. Internationale Jazzfestival „Women in Jazz“ in Halle (Saale) mit einem gefeierten Piano – Doppelkonzert mit Rita Marcotulli und Julia Hülsmann zu Ende gegangen.

Das diesjährige Festival hielt für seine Besucher wieder ein vielfältiges und spannendes Veranstaltungsangebot bereit: Große Stars der weiblichen Jazzszene, Rückblicke in vergangene Zeiten, neue Konzerterlebnisse in Form von Uraufführungen, kontrovers-experimentelle, sowie zahlreiche genreübergreifende Crossover-Projekte, aber auch ein spannendes Rahmenprogramm mit Ausstellungen, Lesungen, Jam Sessions und Filmvorführungen.

Vom 1. bis 10. Februar 2013 fanden insgesamt 20 Veranstaltungen statt, davon allein sieben Konzerte mit internationalen Jazzstars aus Argentinien, Dänemark, Deutschland, Estland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Malawi, Norwegen, der Schweiz, Spanien und Südafrika. Besonders zu vermerken, dass sich die regionale Jazz- und Musikszene im Festival wieder gefunden hat. So standen am Samstag, den 9. Februar mit dem Makiko Hirabayashi Trio der Kammerchor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg unter Leitung von Jens Lorenz und das Thomas Prokein Quartett aus Leipzig auf der Bühne. Die Uraufführung „Makiko – Mysteries of Life – The Händel Experience“ zählt sicherlich zu den Highlights des Festivals. Die japanische Pianistin Makiko Hirabayashi komponierte für Klavier, Bass, Percussion, Streichquartett und Chor ihr eigenes Werk, inspiriert von Georg Friedrich Händels „Messias“. Was die barocke Musik Händels mit Jazz zu tun hat, erklärt Makiko wie folgt: „Es geht nicht um Händel oder Jazz – für mich ist alles Musik. Meine Komposition ist stark von klassischer Musik beeinflusst, wir improvisieren aber auch sehr viel. Barockkomponisten wie Händel oder Bach waren großartige Improvisationskünstler und das geriet im Laufe der Zeit leider in Vergessenheit.“ Neben Makiko am Klavier und Klavs Hovman am Bass brillierte die legendäre Marilyn Mazur am Schlagwerk, die jahrelang Drummerin bei Miles Davis war.

Darüber hinaus begleitete die Staatskapelle Halle die phänomenale Uraufführung „In einem Meer von Tönen“ der Jazz& Chansonsängerin Cristin Claas, die auf Grund ihrer breiten Fangemeinde zunehmend zum Publikumsliebling des Festivals avanciert und ihrer Band l‘arc six. Das der weiblich präsentierte Vocaljazz nach wie vor eine herausragende Stellung im Jazz besitzt, verdeutlichte sich bei den Konzerten ihre Kolleginnen Malia, Lily Dahab und Ingrid Lukas. Kontrovers wurde das improvisatorisch gestaltete Konzert der norwegischen Sängerin Sidsel Endreßen aufgenommen.

Ein weiterer Höhepunkt des Festivals war die überragende Saxofonistin Angelika Niescier und ihr Ensemble Sublim, die am Freitag, den 8. Februar konzertierte. Sie gehört ohne Zweifel zu den besten Saxofonistinnen unserer Zeit. Im Anschluss verzauberte die Französin Isabelle Olivier die Zuhörer mit einem für Jazz eher untypischen Instrument: der Harfe. „Ich mag es, ungewohnte Klänge zu erzeugen“, so Olivier. „Das Publikum in Deutschland ist so aufgeschlossen gegenüber Neuem. Das gefällt mir! Ich gehe gern neue Wege, probiere Verschiedenes aus, spiele in ungewöhnlichen Besetzungen. Das funktioniert in Deutschland besonders gut.“ Das Publikum dankte ihr die neuen Klangeindrücke mit tosendem Applaus.

Besonders beliebt war in diesem Jahr auch wieder der mittlerweile schon zur Tradition gewordene Cityjazz am Eröffnungstag. Unter dem Motto „Halle jazzt, shoppt und schlemmt“ verteilten sich insgesamt 31 JazzmusikerInnen in der Innenstadt und boten den Hallensern ein abwechslungsreiches und bunt gemischtes Programm.

Ein einziger Wehrmutstropfen bleibt: Durch die ausgebliebene finanzielle Förderung durch das Land Sachsen-Anhalt war es in diesem Jahr dem Festival leider nicht möglich, über ihre JazzAkademie, einen Workshop für Nachwuchs-Jazzmusikerinnen anzubieten. Das ist bedauerlich, weil somit jungen Künstlerinnen eine Chance verwehrt bleibt, in der besonderen Atmosphäre eines Festivals mit professionellen Musikerinnen zusammen zu arbeiten. Sachsen-Anhalt setzt damit auch im Jazz seinen Ruf als Auswanderungsregion für junge begabte Künstlerinnen und Künstler fort.

Der Erfolg des Festivals beweist die dringende Notwendigkeit in Sachsen-Anhalt auch die zeitgenössischen Musikformen über eine angemessene Landesförderung zu begleiten. Mittlerweile ist „Women in Jazz“ das wichtigste Festival für Jazzmusikerinnen in ganz Europa und ein wahrer Besuchermagnet. Mehr als 5500 Menschen aus ganz Deutschland nahmen 2013 an den Festivalveranstaltungen teil. Ein Erfolg für die Kulturstadt Halle, möglich gemacht durch das Engagement von 20 Unternehmen der Stadt Halle und der gewachsenen Kooperation zwischen Festival und Ausrichterstadt.

Die Magie des Weiblichen war und ist der eigentliche Beweggrund für „Women in Jazz“ und die diesjährige Ausgabe des Festivals enthielt wieder einen unglaublichen Reichtum an magischen Momenten. Freuen wir uns auf das Jahr 2014, wenn die Stadt Halle erneut der internationalen, emanzipierten und vor allem weiblichen Jazzmusik eine Heimat bietet.

© Ineke Borchert & Ulf Herden