Das Puppentheater kann auch „Hamlet“

v.l.n.r.: Ivana Sajevic, Ines Heinrich-Frank, Lars Frank © Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH, Falk Wenzel

Wenn das Puppentheater Halle zur Premiere ruft, sind die Karten schnell vergriffen und die nachfolgenden Aufführungen ausverkauft, so auch diesmal.  Das liegt nicht nur daran, dass diese Spielstätte das kleinste Spartentheater der Halleschen Bühnen ist, sondern vor allem an der Einzigartigkeit des Ensembles rund um Christoph Werner. Das ist schließlich weit  über die regionalen Grenzen hinaus bekannt und auch international begehrt.

Als neueste Premiere stand im Oktober die  Interpretation des Shakespeare -Klassikers „Hamlet“ auf dem Spielplan, unter der Regie von Intendant Christoph Werner höchstpersönlich. Wer kennt nicht die Geschichte vom Prinzen von Dänemark (Es ist was faul im Staate Dänemark), der den Brudermord an seinem Vater rächen will und am Schluss alle ins Unglück stürzt.

In einem reduzierten, aber sehr wirkungsvollen Bühnenbild und in zurückhaltenden Kostümen (beides Angela Baumgart) agieren die Schauspieler mit ihren Puppen, gestaltet von  Hagen Tilp. Dank durchscheinender Ebenen ist das Einblenden von Videoaufnahmen möglich, die geschickt in die Handlung einfließen und das Shakespeare-Drama in unsere medienüberflutete Welt holen. Der Zuschauer sieht sich zeitweise einer Vielzahl von kleinteiligen Bildern gegenüber oder der Geist von Hamlets Vater huscht sekundenschnell über die Bühne. Die Videogestaltung von Conny Klar ist ein Beispiel dafür, dass mediale und reale Welt auf der Bühne sehr überzeugend zusammengeführt werden können.

Ohne den Inhalt zu verfälschen,  hat Werner dem Stück einen aktuellen Touch verliehen. Schließlich ist auch im 21. Jahrhundert vielerorts (fast) jedes Mittel recht, um Macht zu bekommen oder zu erhalten. Verwicklungen und Intrigen, wie bei Shakespeare zu erleben, sind heute noch ein probates Mittel im Machtkampf und in der Gier nach Geld und Anerkennung.

Dass so ein geschichtsträchtiges Drama auch an einem Puppentheater funktioniert, liegt vor allem an dem herausragenden Ensemble, das Werner zur Seite steht. Das Verschmelzen der Schauspieler mit ihren Puppen, wie hier in Halle zu erleben, ist wohl eine Seltenheit und zeugt von großer Professionalität. Wen soll man zuerst nennen?  Ines Heinrich-Frank, die den Hamlet mit all seinen Facetten auf die Bühne bringt,  Ivana Sajevic, Lars Frank  oder Nils Dreschke?  Bemerkenswert sind auch die Leistungen von Louise Nowitzki als Gertrud und Christian Sengewald als Polonius. Wie Luise Nowitzky sich in ihrem Reifrock über die Bühne bewegt, das muss man erst einmal nachmachen!

Übrigens, die Musikauswahl hat kein anderer als Stefan Rosinski, Geschäftsführer Halleschen Bühnen, getroffen.

Gisela Tanner

 

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