Dantons Tod – theatralische Hinrichtung auf dem Universitätsplatz Halle

Foto: Falk Wenzl - Cédric Cavatore, Alexander Gamnitzer, Philipp Noack
Foto: Falk Wenzl - Cédric Cavatore, Alexander Gamnitzer, Philipp Noack
Foto: Falk Wenzl – Cédric Cavatore, Alexander Gamnitzer, Philipp Noack

(Foto: Falk Wenzl)Freitagabend – Spannung liegt über dem Platz zwischen altehrwürdigen Gebäuden der Martin-Luther- Universität Halle. Zu hören sind nur die Stimmen der Schauspieler, mal schreiend, mal besänftigend aber immer emotionsgeladen. Es ist die Premiere von Dantons Tod, dem Stück über die Französische Revolution und ihre Folgen. Im Zentrum des Geschehens steht das  Schafott, ringsherum liegen Autoreifen, Ölfässer brennen und Abfalltüten säumen den Weg. Das Volk ist unzufrieden und die Revolutionäre sind zerstritten, allen voran Danton und Robespiere.

Das neue theater hat sich zusammen mit dem Thalia Theater an ein Stück gewagt, das an Aktualität nichts verloren hat. Wie geht es weiter, wenn man die Macht erobert hat. Wie verändern sich die Revolutionäre und was bleibt von den einstigen Visionen? Ist erst der Feind besiegt, beginnen die Feindschaften der Sieger untereinander.  Aus Kampfgefährten werden Widersacher. Übrigens, Hilfestellung zu den geschichtlichen Abläufen der  Französischen  Revolution gibt das Programmheft.

Mit nur 22 Jahren hat Georg Büchner   „Dantons Tod“  im Jahr 1835 geschrieben. Regisseur Jörg Steinberg hat das das Werk in Halle mit Schauspielern aus dem neuen theater, dem Thalia Theater und dem Studio besetzt, eine gelungene Kooperation. Danton (voller Emotionen Alexander Gamnitzer) will lange nicht glauben, dass er dank Robespiere (Harald Höbinger) dem Tod geweiht ist. Aber der berechnende Robespiere –  inzwischen selbst  in feinem Zwirn wie die Aristokraten  –  setzt seinen Plan in kühler Berechnung durch und instrumentalisiert das Volk für seine Ziele.

Danton zur Seite stehen Camille Desmoulins (Florian Stauch), Philippeau (Philipp Noack)  und Lacroix (Cédric Cavatore). Beherzt kämpfen die Ehefrauen von Danton-  Julie(Kerstin König) und von Camille – Lucile (Natalja Joselewitsch spielt auch Geige) um das Leben ihrer Partner und  beeinflussen dazu auch das Volk. Im Hintergrund ziehen Ankläger  Fouquier-Tinville (Axel Gärtner) und Ratspräsident Hermann(Peer-Uwe Teska) im Sinne Robespieres die Fäden.

Beeindruckend auch Katharina Brankatschk als Volkes Stimme , die in einem Monolog in das Publikum hinein ihre Wut schreit. Enrico Petters als Legendre,  David Kramer als St. Just und  Manuel Zschunke als Barére tragen zum Erfolg der Premiere bei.

Heike Neugebauer (Gast) hat die Tiefen des Platzes genutzt und ein Bühnenbild geschaffen, das den Zuschauer in die Handlung hineinzieht. Danton in wehendem Mantel (Kostüme auch Heike Neugebauer) mischt sich schon mal unter des „Zuschauer“volk während Robespierre in seinen kühlen Outfit und weiß geschminkt distanziert bleibt. Die Musik von Falkenberg gibt der Aufführung den jugendlichen Schwung und je mehr die Dämmerung über der Spielstätte hereinbricht, um so bedrohlicher wird die Atmosphäre, die in einem wuchtigen Trommelkonzert endet, bis der begeisterte Beifall der Zuschauer einsetzt.
Nächste Vorstellungen – 2.6.7. 10. Juli 2014

Gisela Tanner

Foto: Falk Wenzl