Bühnen Halle: Ambitionierter Spielplan 2018/19 trifft auf finanzielle Unsicherheit

(v.l. Matthias Brenner, Florian Lutz)

Eigentlich sollte es in der vorigen Woche bei der Pressekonferenz im Café des Opernhauses ausschließlich um die Spielpläne der neuen Spielzeit gehen, aber eine spontane Demonstration der Belegschaft vor der Oper sorgte dafür, dass auch die finanziellen Probleme der halleschen Bühnen thematisiert wurden. Wie Stefan Rosinski, Geschäftsführer der TOOGmbH, mitteilte, seien die Fragen der Finanzierung noch nicht endgültig geklärt.

Spielplan-Preesekonferenz 2018/19 Bühnen HalleBei der spontanen Demonstration vor der Oper wurde auch gesungen. (Gefangenenchor aus Nabucco)

Gleichzeitig stellte er die Konzertreihen der Staatskapelle und des Händelfestspielorchesters für die kommende Spielzeit vor, die diesmal von einem Gremium ohne GMD zusammengestellt wurden, da noch nicht feststeht, wer der neue Chef der Staatskapelle Halle sein wird.

Spielplan-Preesekonferenz 2018/19 Bühnen HalleStefan Rosinski

Zu hören sein wird der komplette Zyklus aller Sinfonien und Solokonzerte von Johannes Brahms unter der Leitung unterschiedlicher Dirigenten und Solisten. Auch Werke von  Gustav Mahler, Richard Strauss, Dmitri Schostakowitsch und französischer Impressionisten werden zu hören sein.  Die Klassik-Reihe heißt jetzt „Klassik Plus“ und wird jeweils einen Klassiker im Mittelpunkt haben. Barocke Orchestermusik in Bezug auf Georg Friedrich Händel wird jetzt als „Händels Welt“ unter Mitwirkung des Händelfestspielorchesters zu erleben sein. Familien-, Picknick- und Pavillonkonzerte sowie Kammerkonzerte, Gastspiele und mehr stehen ebenfalls auf dem Programm.

Spielplan-Preesekonferenz 2018/19 Bühnen HalleChristoph Werner

Puppentheaterchef Christoph Werner ist ebenfalls nicht über die unsichere Lage bei der Finanzierung erfreut, dabei hat er sich zusammen mit seiner ambitionierten Truppe in der kommenden Spielzeit wieder viel vorgenommen. „Unsichtbaren Kräfte“ sind da im Spiel., z.B. bei  Lars Mordatzki in „Lars‘ Angst oder die Rettung des Kreuzfahrtschiffes Völkerfreundschaft“. „Save the Pedestals! – Rettet die Sockel“ entsteht nach einer bisher unveröffentlichten Erzählung des südafrikanischen Autors Ivan Vladislavić. Nicht nur diese Produktion beruht auf einer Kooperation – hier  mit der südafrikanischen Handspring Puppet Company. Das gemeinsame „Weihnachtssingen mit Gans Auguste“ in der „Bibliothek der Träume“ entsteht in Zusammenarbeit mit der niederländischen Ulrike Quade Company. „Die Geschichte des alten Waldes“ wird jetzt fortgesetzt als „Das Geheimnis des alten Waldes – reloaded“. Zusammen mit der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina entwickelt das Puppentheater ein Stück über die Zukunft der Arbeit, „Morgens, halb zehn in Deutschland … Ein Arbeitstag im Jahr 2030“.

Die Pläne für neues theater und Thalia Theater präsentierte Matthias Brenner (Foto ganz oben links) gemeinsam. Wieder werden politische Fragestellungen in den Mittelpunkt gerückt: Europa: Ja oder Nein?! – Rückkehr zu den Nationalstaaten oder Abschottung Europas – und so wird denn mit „Faust“ und seiner Frage »was die Welt im Innersten zusammenhält« ein Schwerpunkt gesetzt. Ebenfalls im Programm wird die Uraufführung „Nackt über Berlin“ sein, das die Akteure der halleschen Sprechbühnen in der (neuen) Raumbühne „Babylon“ des Opernhauses aufführen werden. Thalia Theater und Jugendchor setzen ihre erfolgreiche Zusammenarbeit von 2016/17 mit Spring Awakening fort, diesmal mit dem Musical „Annie“ von Thomas Meehan. „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ – ein Stück nach dem Roman, der kürzlich auch verfilmt wurde, steht ebenso auf dem Programm wie „The King‘s Speech“. Beachtenswert ist die Uraufführung im Oktober nach dem Roman von Joachim Meyerhoff – „Diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“. Freuen können sich die Theaterbesucher  auf ein Stück im Hoftheater in der kommenden Spielzeit, eine Entführung in die finnische Mitsommernacht.

Die Oper Halle unter Florian Lutz (Titelfoto ganz oben rechts) geht weiter den Weg der modernen Opern mit Vorhaben, die man durchaus als experimentell bezeichnen kann. Zusammen mit Chefdramaturg Michael v. zur Mühlen erläuterte Lutz die geplanten 11 Produktionen, darunter Opern, Operetten und ein Musical, aber auch Aufführungen des Balletts Rossa und eine Uraufführung. International renommierte Regisseure werden in der kommenden Spielzeit an der Oper arbeiten, so wie Peter Konwitschny, der Händels „Julius Cäsar in Ägypten“ zur Eröffnung der Händelfestspiele 2019 inszenieren wird. Ein Auftragswerk steht an der Oper ebenfalls wieder auf dem Plan. Eröffnet wird die Spielzeit 2018/19 in einer neuen Raumbühne – Babylon – die wieder  von Sebastian Hannak entworfen wurde. Angekündigt wird ein völlig neuer, postapokalyptischer Erlebnisraum für insgesamt fünf abendfüllende Produktionen. Übrigens kehrt auch Annegret Hahn, einstige Intendantin des Thalia Theater, für eine Inszenierung zurück, sie wird an der Oper die Operette „Die Großherzogin von Gerolstein“ (Jaques Offenbach) in Szene setzen.

 

Spielplan-Preesekonferenz 2018/19 Bühnen Halle

Und  – last but not least –  stellte Michal Sedláček, u.a. stellvertretender Ballettdirektor, das Programm der halleschen Tanzkompagnie „Ballett Rossa“ vor. Er inszeniert das barocke Ballettspektakel „#Bizarr“ als Eröffnungsproduktion der Compagnie in der neuen Raumbühne. Neben Wiederaufnahmen bekannter Inszenierungen wie „Die Kameliendame“ oder „Der Nussknacker“ wird die niederländische Choreografin Nanine Linning als Gast ihr Tanztriptychon »Hieronymus B.« einstudieren. Neu ist eine „Choreografische Werkstatt“ am Ende der Spielzeit, in der sich die Tänzerinnen und Tänzer der Compagnie ausprobieren können.

Auf Anfrage verriet TOOGmbH-Chef Stefan Rosinski noch die Umsatztendenzen der einzelnen Sparten, die meist ca. gleichbleibend sind, wobei die Oper noch nicht an die Werte, die unter der Intendanz von Axel Köhler erreicht wurden, herangekommen ist. Nun ist es ja bei der Kunst nicht vordergründig, nach dem Geld zu fragen, aber in diesen finanziell unsicheren Zeiten wird man nicht umhinkommen, auch diesen Aspekt zu berücksichtigen. Bleibt zu hoffen, dass sich Aufsichtsrat, Stadt und Land noch auf eine praktikable Lösung einigen können, damit Hallenser und Gäste auch weiterhin das reichhaltige und abwechslungsreiche Programm der halleschen Bühnen genießen können.

Für weitere Informationen stehen die obligatorischen  Spielzeithefte und die Homepage www.buehnen-halle.de zur Verfügung.

Gisela Tanner