Brückemaler – Berliner Skulpturenfund – Fayencen –neue Ausstellungen in der Moritzburg

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Auf gleich drei neue Ausstellungen können sich Besucher des Kunstmuseums Moritzburg in Halle freuen, eine neue Ausstellung über die Brückemaler, eine Ausstellung über Skulpturen, die im 3. Reich als „entartet“ eingestuft waren und erst 2010 wiederentdeckt wurden und eine kleine feine Ausstellung mit Chinoiserien auf Fayencen aus den Archiven der Moritzburg.

Nolde, Pechstein, Amiet, Mueller. Im Kreis der „Brücke“ aus der Sammlung Hermann Gerlinger

Den Gründern der Brückemaler wurden bereits Ausstellungen in der Moritzburg gewidmet. Die neue Brücke-Ausstellung – es ist die 20. zu diesem Thema – beschäftigt sich nun mit den Künstlern, die einen besonderen Anteil am Wachsen dieser Gruppe hatten. Während Kirchner, Heckel und Schmidt-Rotluff die Gründer der Gruppe waren, sind die Künstler der aktuellen Ausstellung erst nach der Gründung  hinzugekommen. Der erste „Neuzugang“ im Jahr 1906 war Emil Nolde, ihm folgten Max Pechstein und Cuno Amiet. Nolde brachte die Radierung mit in die Gruppe und erlernte den Holzschnitt. Die Entwicklung Max Pechsteins in der Brückeperiode ist geprägt von seiner Entwicklung vom Jugendstil bis hin zu seinen Bildern an den Moritzburger Teichen während der Periode in Dresden. Der Verdienst von Cuno Amiet, dem Künstler aus der Schweiz, besteht u.a. darin, dass er die Brücke-Maler in Frankreich und in seinem Heimatland  bekannt gemacht hat. Amiet arbeitete zuvor in der Bretagne, wo er mit den Werken von van Gogh und Cézanne in Berührung kam. Wenn er von den anderen Brücke-Künstlern auch räumlich getrennt war – er lebte weiterhin in der Schweiz – so war er doch ein aktives Mitglied der Künstlergruppe. Im Jahr 1910 kam Otto Mueller zu der Gruppe. Er bereicherte die Brücke-Kunst mit der Technik der Leimfarbe und war für seine lyrischen Interpretationen der menschlichen Natur bekannt, aber auch für seine Werke aus dem Zigeunermilieu.

Im gleichen Trakt wie die Brücke-Ausstellung ist z.Z. auch die Sonderausstellung über Emil Nolde zu sehen. In dieser konzentrierten Form wird Kunst dieser Maler wohl so schnell nicht wieder in Halle zu sehen sein.

Der Berliner Skulpturenfund. Entartete Kunst im Bombenschutt

Der Weg dieser ausgestellten Kunstwerke gleicht einem Krimi. Von den Nazis als“entartete Kunst“ eingestuft, verschwanden diese Werke aus den Museen und wurden erst 2010 bei archäologischen Grabungen im Zusammenhang mit der Erweiterung der U-Bahn in Berlin wiedergefunden. Es handelt sich um 16 Skulpturen, die 1937 beschlagnahmt wurden und 1942 im Haus Königstraße 50 (heute Rathausstraße) gegenüber vom Roten Rathaus eingelagert wurden. Da das Haus bombardiert wurde, waren die Werke bis zu ihrer Wiederentdeckung verschüttet. Die Ausstellung der Staatlichen Museen zu Berlin, Museum für Vor- und Frühgeschichte, wurde schon an mehreren Orten gezeigt. Die Moritzburg Halle ist die 5. Station.
Die Ausstellung wird am 8. Juni eröffnet.

Europas Utopie – Chinoiserien auf Fayencen

Eine kleine feine Ausstellung ist ab Mai 2013 in den Räumen des Talamtes zu sehen. Aus der Sammlung des Museums werden deutsche und niederländische Fayencen des 17. und 18. Jahrhunderts gezeigt. Diese Sammlung europäischer Fayencen wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Kunstmuseum aufgebaut.

Im späten 17. Jahrhundert eroberte die „Chinoiserie-Mode“ Europa. Dank umfangreicher Importe der holländischen Ostindischen Kompanie kamen u.a. Stücke aus chinesischen Porzellan nach Europa, die als Vorlage für die Adaption des chinesischen Stils dienten. In Europa wurden die Werke aber nicht aus Porzellan, sondern aus einer besonderen Keramik, der Fayence, geschaffen. Diese Keramik ist mit einer weißen, deckenden Glasur überzogen. Das kobaltblaue Dekor zeigt besonders den Einfluss der chinesischen Porzellankunst. Exponate mit mehrfarbigem Dekor waren aber noch schwieriger in der Herstellung. Gezeigt werden u.a. Teller, Fächerplatten, Vasen und figürliche Darstellungen. Eine sehenswerte Ausstellung, die in den Zimmern des Talamts besonders gut zur Geltung kommt. Es ist die erste Ausstellung zu den Fayencen der Moritzburgsammlung nach 15 Jahren.

Das Museum ist Dienstag von 10 bis 19 Uhr und Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen 10 bis 18 Uhr geöffnet. Zu den Händelfestspielen gibt es zusätzliche Öffnungszeiten.

Gisela Tanner

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