Bilder deiner großen Liebe – Thalia Theater Halle setzt Romanfragment von Wolfgang Herndorf in Szene

Cynthia Cosima Erhardt © Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH, Anna Kolata

[Cynthia Cosima Erhardt © Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH, Anna Kolata] Dass man sich mit den Werken von Wolfgang Herndorf auseinandersetzt, haben die halleschen Bühnen bereits mit der Umsetzung des Romans „Tschick“ bewiesen. Das gleichnamige Stück nach dem äußerst erfolgreichen Roman ist seit 2012 auf dem Spielplan und wird auch heute noch vom Publikum geliebt (nächster Aufführung im Januar 2019). Nun hat sich das Thalia Theater einem weiteren Werk Herndorfs zugewandt, dem Romanfragment „Bilder deiner großen Liebe“.

Das Werk ist unvollendet, denn Herndorf, der an einer tödlichen Krankheit litt, nahm sich im Jahr 2013 selbst das Leben. Von dem Zeitpunkt an, als er von seiner Krankheit erfuhr, bis zu seinem Tod hat er sich in viel Arbeit gestürzt. Es entstanden bemerkenswerte Werke und das hier besprochene war sein letztes und daher nur ein Fragment.  Es wurde postum als Roman veröffentlicht, unter einem Titel, den er selbst noch festgelegt hat. Sein Freund Robert Koall schrieb die Bühnenfassung dazu. Bei der Inszenierung in  Halle führt  Katharina Brankatschk Regie und Anja Kreher gestaltete Bühne und Kostüme. Brankatschk inszenierte das Stück mit Cynthia Cosima Erhardt als Isa Schmidt und Nils Thorben Bartling in mehreren Rollen.

Isa Schmidt kennen die Zuschauer schon aus „Tschick“, dort begegnet sie den beiden Protagonisten Maik Klingenberg und Tschick auf ihrer großen Road-Tour und besorgt ihnen Benzin. In „Bilder deiner großen Liebe“ nun begibt sich Isa selbst auf eine „rastlose“ Reise und trifft dabei auf die unterschiedlichsten Figuren. Sie bricht aus einer Irrenanstalt aus, denn, so sagt sie selbst, sie sei verrückt, aber nicht bescheuert. Auf ihrem Weg begegnet sie den unterschiedlichsten Menschen, ob das alles wahre Erlebnisse sind oder nur Abläufe in ihrem Kopf, wird gegenüber dem Zuschauer offen gehalten. Auf jeden Fall sind es einschneidende und tiefgreifende Erlebnisse, immer auch mit heiteren Momenten  verbunden. Isa verkörpere in Teilen auch Seiten des Autors selbst, so Regisseurin Katharina Brankatschk.  Cynthia Cosima Erhardt spielt die Rolle der Isa mit so einer Hingabe, dass die Zuschauer mit ihr lachen und weinen können. Währenddessen wandelt sich Nils Thorben Bartling vom Schriftsteller selbst in unterschiedliche Figuren, denen Isa während ihrer Reise begegnet, vom Kind über einen Taubstummen bis hin zu einem Kapitän und zeigt damit seine große schauspielerische Bandbreite, auch als Puppenspieler mit übergroßem Kopf.

Eingerahmt in das poetische Bühnenbild von Anja Kreher ist dem Team um Katharina Brankatschk eine beeindruckende Inszenierung gelungen, die gerade in der fragmentartigen Vorlage ihre Herausforderung sieht und gleichzeitig Hommage an den viel zu früh verstorbenen Wolfgang Herndorf und sein letztes – unvollendetes – Werk ist. Das Publikum dankte es am Premierenabend mit begeistertem Applaus.

 

Gisela Tanner

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