Der Besuch der alten Dame am Puppentheater Halle – ein Stück über Geld und Moral

Katharina Kummer, Christian Sengewald, Nils Dreschke, Lars Frank, Sebastian Fortak, Ursula Werner Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH, Copyright: Falk Wenzel
Katharina Kummer, Christian Sengewald, Nils Dreschke, Lars Frank, Sebastian Fortak, Ursula Werner Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH, Copyright: Falk Wenzel
Katharina Kummer, Christian Sengewald, Nils Dreschke, Lars Frank, Sebastian Fortak, Ursula Werner
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Das Stück von Friedrich Dürrenmatt, mit dem er Weltruhm erlangte, am Puppentheater – geht das überhaupt? Diese Frage kann spätestens seit der Premiere am Freitag, 26.09. 2014, im Puppentheater Halle mit „ja“ beantwortet werden. Christoph Werner, künstlerischer Direktor des Puppentheaters Halle und weltweit gefragt, hat sich an den „Besuch der alten Dame“ gewagt. Zu seinem renommierten Ensemble hat er sich Ursula Werner als Gast geholt. Sie hatte einst am Landestheater Halle ihre ersten Engagements, war jahrelang Mitglied im Ensemble des Maxim-Gorki-Theaters Berlin und ist bekannt aus Film und Fernsehen.

Entstanden ist ein Stück voller Tragikomik und Dynamik. Gespielt wird im Dock 2 des Puppentheaters in intimer Atmosphäre. Es geht um Claire Zachanassian, die früher in der Kleinstadt Güllen lebte, inzwischen steinreich geworden ist und nun in ihre Stadt zurückkehrt. Dafür hat sie ihren Zug auf der Strecke gestoppt, mit Geld kann man sich eben alles erlauben. Die Stadt Güllen ist heruntergekommen, verarmt, depressive Bewohner, die nur noch ihren Lüsten und Süchten folgen. Zachanassian ist zurückgekommen, weil sie noch eine Rechnung mit der Stadt und speziell mit ihrem ehemaligen Liebhaber (Lars Frank) offen hat. Auf perfide Art will sie der Stadt zu Reichtum verhelfen, aber die Bedingungen für den Geldfluss sind im wahrsten Sinne des Wortes tödlich. Eine Milliarde, davon die Hälfte für die Stadt und die Hälfte für die Bewohner, werfen die Güllener dafür ihren Rest an Moral über Bord? Selbst der Pfarrer der Stadt ahnt Böses.

Claire Zachanassian, die bei der Ankunft in ihrer Heimatstadt kurzzeitig von sentimentalen Gefühlen übermannt wird, hat selbst jedes Gespür für Moral verloren. Sie ist schon zum 7. Mal verheiratet, feiert mit großem Pomp und reicht die Scheidung gleich nach der Trauung ein. Sie nutzt die Macht ihres Geldes, um ihre Mitmenschen zu manipulieren. Wie die Bewohner der Stadt Güllen sich letztendlich entscheiden, davon kann sich jeder selbst beim „Besuch der alten Dame“ überzeugen.

Christoph Werner hat es verstanden, mit Hilfe seiner Puppen dem Stück einen besonderen Ausdruck zu verleihen. Kleine Puppen – große Dame, mal sind nur die Puppen zu sehen, mal streifen die Puppenspieler ihre schwarzen Hauben ab und zeigen ihr Gesicht. Die Puppen werden oft von mehreren Spielern geführt, das erfordert ein eingespieltes Team. Ein Spieler verkörpert mehrere Personen. „Der Besuch der alten Dame“ – wieder einmal eine reife Leistung der halleschen Puppenspieler um Christoph Werner, die Ihresgleichen sucht, gekrönt von dem Auftritt der Grand Dame Ursula Werner.

Nächste Vorstellungen:_04.10.2014 20:30 * 05.10.2014 15:00 * 30.10.2014 20:30

Gisela Tanner www.tannertext.de

Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH, Copyright: Falk Wenzel

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