Bernd Göbel- Kunst mit Tiefgang und Augenzwinkern

Er wirkt bescheiden und betont, sich nicht dem aktuellen Trend anzuschließen, sich größer zu machen als er sei: Bernd Göbel, der spätestens seit Aufstellung seines Brunnes auf dem Hallmarkt jedem Hallenser ein Begriff ist. Es lohnt sich, bei seinen Werken genau hinzuschauen. Göbel  stellt nicht einfach dar, er sendet auch immer eine Botschaft, verbindet Aktuelles mit Historischem und schafft so neue Sichtweisen.

Vom 2. Oktober bis zum 11. November werden seine Arbeiten im Kunstforum der Sparkasse Halle gezeigt. Anlass ist sein 70. Geburtstag. Friedrich Stumpf, Vorstandsvorsitzender  der Saalesparkasse, freut sich über die angenehme Zusammenarbeit mit Goebel, nicht immer sei es einfach mit den Künstlern, aber mit ihm mache es Spaß.  Das Kunstforum bietet  Göbel  Gelegenheit, seine vielfältigen Arbeiten zu zeigen, Plastiken, Medaillen und Grafiken. Viele seiner Werke  sind auch im öffentlichen Raum zu finden, darunter Brunnen, Figurengruppen und Denkmale. Im Kunstforum werden seine Arbeiten auf 2 Etagen gezeigt, darunter auch seine neuesten Skulpturen  aus Keramik. Goebel bezieht sich mit seinen Arbeiten gern auf die Mythen als Gleichnis der Jahrhunderte, etwa auf den Traum vom Fliegen bei Ikarus. Er selbst lebe oft im Zwiespalt – z.B. bei der Einschätzung der Gentechnologie – und so gestalte er auch seine Figuren.

Der Ausstellungbesucher wird von einem „Wald“ aus Skulpturen begrüßt, sehenswert sind auch die Keramikarbeiten. Selbst den Treppenraum belebt Göbel: ein Balken mit Regenbogen, ob dieser von Bäumen  oder einem Atompilz gehalten wird, die Frage ist offen.

Der Künstler hat alle politischen Systeme mit Distanz betrachtet und sich nicht angebiedert. So wundert es nicht, dass sein Liebespaar auf dem Boulevard Leipziger Straße in Halle, aufgestellt 1976, genauso Kontroversen auslöste wie  seine lustbetonte  Darstellung des Kardinal Albrecht auf dem Hallmarkt-Brunnen. Das Liebespaar wurde zur Seite gerückt, der Kardinal „entschärft“. Göbel  lehnt Gewalt,  wie sie von der RAF oder später auf dem Balkan praktiziert wurde,  als Mittel zur Durchsetzung von politischen Ideen ab.

Schon zu  DDR-Zeiten verstand er es, seine Botschaften, teilweise verschüsselt, darzustellen. Sehenswert sind auch die Grafiken zur Wendezeit oder seine Medaillen. Den Papst – als Papstesel dargestellt – setzt er in Bezug zu Luther, Jesus hängt kopfüber am Kreuz. Eine Ausstellung, die sicher wieder Diskussionsstoff bieten wird.

Gisela Tanner www.tannertext.de

Foto: ©Gisela Tanner – Bernd Göbel, im Hintergrund Friedrich Stumpf, Vorstandsvorsitzender  der Saalesparkasse