BA Sachsen-Anhalt: Teilzeit auf dem Vormarsch

©Foto: Bundesagentur für Arbeit
 
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Die Bundesagentur für Arbeit stellt in ihrer Auswertung zum Tag der Arbeit fest: Während die Zahl der Vollzeitjobs abnimmt, arbeiten immer mehr in Teilzeit. Viele wollen aber länger arbeiten. Die Bedeutung von Minijobs hat tendenziell abgenommen. Ein möglicher Grund: Der Mindestlohn.

 
Die Teilzeitbeschäftigung ist in Sachsen-Anhalt auf dem Vormarsch. Dagegen gibt es immer weniger Vollzeitbeschäftigte. Aber auch die Zahl der Zeitarbeiter und Minijobber nimmt ab. Bei letzteren bremst der Mindestlohn. Das zeigt eine Auswertung der BA-Regionaldirektion-Sachsen-Anhalt-Thüringen anlässlich des Tags der Arbeit am 01. Mai, die die Entwicklung sogenannter „atypischer Beschäftigungsverhältnisse“ für den Zeitraum Juni 2010 bis Juni 2015 unter die Lupe nimmt. Unter „atypischer Beschäftigung“ verstehen Arbeitsmarkt-experten unter anderem Teilzeitbeschäftigung, Zeitarbeit und Minijobs.
 
Vollzeitjobs gehen zurück – Teilzeit legt deutlich zu
Demnach sank die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten in Sachsen-Anhalt von 589.200 im Juni 2010 auf 562.200 im Juni 2015 – ein Rückgang von 4,6 Prozent. Die Zahl der Teilzeitbeschäftigten hingegen stieg von 158.100 auf 213.800, also um über 35 Prozent. Der Anteil der Teilzeitbeschäftigten beträgt 27,5 Prozent, Tendenz steigend. „Teilzeit heißt nicht immer nur 20 Stunden und unfreiwillig. Es gibt auch viele Teilzeitmodelle, die sich nach den Bedürfnissen der Beschäftigten richten, weil sie etwa Kinder erziehen oder Angehörige pflegen. Trotzdem wissen wir aus Studien, dass über 40 Prozent aller in Teilzeit beschäftigten Männer und Frauen in Sachsen-Anhalt lieber mehr arbeiten würden“, erklärte der Chef der BA-Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen, Kay Senius. Er betonte, dass ungewollte Teilzeit auch immer ein Risiko bedeuten könne. Zum Beispiel im Alter wegen geringerer Rentenansprüche. „Ein Rückkehrrecht von Teil- in Vollzeitbeschäftigung für Arbeitnehmer könnte daher ein guter Schritt sein“, sagte Senius.
 
Zeitarbeit geht zurück – allerdings ist wieder ein Aufwärtstrend zu verzeichnen
Die Zahl der Zeitarbeiter ging zwischen 2010 und 2015 um 7 Prozent zurück. In den vergangenen zwei Jahren ist allerdings wieder ein Aufwärtstrend zu verzeichnen. 2015 waren 23.700 Beschäftigte im Bereich der Zeitarbeit registriert, 2013 waren es 22.600. Der Anteil an allen Beschäftigten in Sachsen-Anhalt beträgt 3,1 Prozent. „Die Leiharbeit hat ihre Daseinsberechtigung. Sie soll Betrieben dabei helfen, Auftragsspitzen zu bewältigen oder vorübergehenden Personalausfall zu kompensieren. Für arbeitslose und geringqualifizierte Menschen bietet sie durchaus eine erste Brücke in den Arbeitsmarkt. Allerdings sind die Arbeitsverhältnisse selten längerfristig und tragen nur bedingt zur Stabilisierung von Erwerbsbiografien bei. Unter arbeitsmarktpolitischen Gesichtspunkten sollte Zeitarbeit insgesamt weiterhin die Ausnahme sein und keine regulären Beschäftigungsmöglichkeiten ersetzen“, erklärte Senius.
 
Mindestlohn lässt Minijobs schmelzen
Auch die Zahl der ausschließlich in Minijobs beschäftigten Männer und Frauen ist zurückgegangen. Von 98.700 im Juni 2010 auf 85.000 im Juni 2015, ein Rückgang von 13,8 Prozent. Besonders deutlich war der Rückgang im Zeitraum der Einführung des Mindestlohns. „Bei der Einführung des Mindestlohns wurden Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse umgewandelt. Insbesondere in den typischen Mindestlohnbranchen wie etwa der Gastronomie, dem Taxigewerbe oder der Fleisch- und Schlachtindustrie fällt das auf. Der Aufwuchs der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in den Mindestlohnbranchen findet fast ausnahmslos im Teilzeitsegment statt“, sagte Senius. Er betonte, dass gute Arbeitsbedingungen und eine faire Bezahlung die beste Form der Fachkräftesicherung seien.

Quelle: BA Sachsen-Anhalt-Thüringen