BA: Bewerberknappheit wird durch schulische Ausbildungsangebote verschärft

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Am Donnerstag (28.08. 10 Uhr) wird die Bundesagentur für Arbeit (BA) die neuesten Zwischenergebnisse zum Ausbildungsmarkt veröffentlichen, bevor dann Ende September endgültig abgerechnet wird. Schon jetzt ist klar, dass nicht jede Firma ihre Ausbildungsplätze besetzen kann. Der Grund: Rein rechnerisch ist der Ausbildungsmarkt so gut wie ausgeglichen. Auf 4.405 unbesetzte Stellen kamen in Sachsen-Anhalt im vergangenen Monat Juli 3.983 Bewerber, die noch keinen Ausbildungsplatz hatten.

Betriebliche Ausbildung hat Vorteile gegenüber schulischer Ausbildung

Verschärft wird die Situation durch die diversen schulischen Ausbildungsangebote an staatlichen oder freien Berufsbildenden Schulen. Denn sie stehen mit den Unternehmen in Konkurrenz um die Bewerber. „Wir können auf viele dieser schulischen Ausbildungsgänge wie etwa zum Wirtschaftsassistenten, Haushaltshelfer und Sozialassistenten verzichten, weil es heute genügend adäquate betriebliche Ausbildungsstellen und Abschlüsse für jeden gibt. Die Praxisnähe der betrieblichen Ausbildung ist unschlagbar und eröffnet häufig bessere Chancen als ein schulischer Abschluss“, sagte der Geschäftsführer der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen, Lutz Mania, in Halle. Denn die Erfahrungen der Arbeitsagenturen vor Ort zeigten, dass Absolventen schulischer Ausbildungsgänge oft erst noch durch die Arbeitsagenturen mit teuren Maßnahmen qualifiziert werden müssten, um dann eine Chance auf einen Job zu haben. Ein weiterer nicht unwesentlicher Punkt, der für eine betriebliche Ausbildung spreche: Auszubildende in Betrieben bekämen eine Ausbildungsvergütung, bei einer schulischen Ausbildung müssten sie häufig Schulgeld bezahlen. „Einige junge Menschen unterliegen aber leider dem Irrglauben, dass sie es bei einer schulischen Ausbildung leichter haben, weil sie statt um sechs Uhr im Betrieb erst um acht Uhr in der Schule sitzen müssen“, erklärte Mania.
 
Mania: „Absurde Situation!“
Die ganze Welt beneide Deutschland um die duale Ausbildung. Deshalb sei es völlig absurd, dass Unternehmen auf der einen Seite händeringend nach Auszubildenden suchten und gleichzeitig Berufsbildende Schulen Absolventen produzierten, die mit ihrem Abschluss wenig anfangen könnten. „Wir haben aktuell schon über 11.500 arbeitslose junge Menschen zwischen 15 und 30 Jahren in Sachsen-Anhalt, die keinen verwertbaren Abschluss haben und als Helfer eingestuft sind“, so Mania weiter.
 
Schulisches Ausbildungsangebot anpassen
Mania schlug vor, dass sich alle Arbeitsmarktakteure im Land auf ein gemeinsames Vorgehen verständigen sollten. Denkbar sei, alle schulischen Ausbildungsangebote zu streichen, für die es einen entsprechenden oder ähnlichen dualen Ausbildungsgang gebe.
Quelle: BA regional
Fot: Bundesagentur für Arbeit