Aus Liebe zu Carmen – José gerät unter Schmuggler

Svitlana Slyvia (Carmen) Copyright: Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, Foto: Falk Wenzel
Svitlana Slyvia (Carmen) Copyright: Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, Foto: Falk Wenzel
Svitlana Slyvia (Carmen) Copyright: Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, Foto: Falk Wenzel

[Foto: ©Falk Wenzel] Wer an die Oper Carmen denkt, dem fallen unwillkürlich bekannten Chöre und Arien ein, schließlich steht die Musik von George Bizet weit oben auf der „Opernhitliste“.  So gesehen könnte man die Oper auch mit geschlossenen Augen verfolgen, zumal die musikalische Umsetzung durch Andreas Henning mit der Staatskapelle Halle gewohnt professionell erfolgte. Nicht nur die Solisten, auch die Chöre des halleschen Opernhauses überzeugten.

Entgangen wäre aber bei dieser Sichtweise die szenische Umsetzung des Inhalts. In der Saalestadt hat Julia Huebner die Regie übernommen, zusammen mit ihrem Team Iris Holstein (Bühnenbild) und Esther Dandani (Kostüme). Sie haben der Aufführung einen modernen Touch verliehen. In der Fabrik, nicht wie gewohnt eine Zigarettenfabrik, sondern als Nähstube zu deuten, sehnt sich  sich Carmen – Svitlana Slyvia  mit ihrer wunderbaren Mezzosopranstimme – nach  einem freieren Leben fernab der Arbeitszwänge. Jose, für den die Mutter eigentlich Micaëla  – Marianne Fiset – als Zukünftige vorgesehen hat, verliebt sich unsterblich in Carmen. Marianne Fiset ist als Gast in der Aufführung eine gute Wahl, nicht nur, weil sie schon mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde.

Jose-Interpret Xavier Moreno ist vielen Hallensern schon aus der Verdi-Oper „Macht des Schicksals“ bekannt, auch in „Carmen “ ist er als hoch emotionaler und von Eifersucht geplagter Liebhaber zu erleben. Tja, und dann kommt noch Torero Escamillo – Gerd Vogel – ins Spiel, der schon lange Interesse Carmen hat, und das Drama auf der Bühne nimmt seinen Lauf.  Carmen stellt sich gegen alle Konventionen, folgt nur ihren Gefühlen und nimmt ihren Tod in Kauf.

Wer eine klassische Inszenierung erwartet hat, musste sich an der halleschen Oper auf eine moderne Interpretation einstellen. So folgte Jose seiner Geliebten nicht in ein Zigeunerlager, sondern zu einer Schmugglerbande, die hauptsächlich Fernseher gegen viel Bares verhöckert.  Der Stierkampf mit Escamillo (Gerd Vogel) wirkte eher grotesk, da die Stiere nur in Form von Hörnern auf Wagen angedeutet wurden, einzig beim Einkleiden des Toreros  Escamillo kam wegen der Uniform ein wenig Glanz herüber, aber man muss ja heutzutage auch den Stierkampf nicht mehr glorifizieren. Nur ein toter Stier lag mahnend in der Kulisse. Carmens Freundinnen Frasquita (Linda van Coppenhagen)  und Mercédès (Olivia Saragosa) erschienen in einem Outfit, von dem die jungen Frauen auch heute begeistert wären. Beide sind noch nicht lange im halleschen Opernensemble und konnten hier wieder einmal ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen.

Beeindruckend waren die Szenen mit den Chören (Erwachsenenchor-Einstudierung Jens Petereit, Kinder- und Jugendchor Peter Schedding). Die Aufführung erfolgte in französischer Sprache, unterbrochen von Einspielungen in Deutsch, gesprochen von halleschen Schauspielern.   Wie schon so oft wurde an der halleschen Oper mit Videoinstallationen gearbeitet, diesmal von Matthias D. Hederer, freier Künstler. Carmen in Halle – auf jeden Fall eine Inszenierung, die es sich lohnt, anzuschauen, die Melodien werden noch lange im Ohr bleiben.

Gisela Tanner

Mehr lesen …