Aufwendige Mephisto-Inszenierung am neuen Theater Halle

v.l.n.r.: Karl-Fred Müller (Oskar H. Kroge/ Musiker), Hagen Ritschel (Hendrik Höfgen/ Mephisto), Max Radestock (Hans Miklas), Harald Höbinger (Theophil Marder/ Reporter), Till Schmidt (Otto Ulrichs), Bettina Schneider (Nicoletta von Niebuhr) Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, copyright by Falk Wenzel
     v.l.n.r.: Karl-Fred Müller (Oskar H. Kroge/ Musiker), Hagen Ritschel (Hendrik Höfgen/ Mephisto), Max Radestock (Hans Miklas), Harald Höbinger (Theophil Marder/ Reporter), Till Schmidt (Otto Ulrichs), Bettina Schneider (Nicoletta von Niebuhr)     Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, copyright by Falk Wenzel
v.l.n.r.: Karl-Fred Müller (Oskar H. Kroge/ Musiker), Hagen Ritschel (Hendrik Höfgen/ Mephisto), Max Radestock (Hans Miklas), Harald Höbinger (Theophil Marder/ Reporter), Till Schmidt (Otto Ulrichs), Bettina Schneider (Nicoletta von Niebuhr)
Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, copyright by Falk Wenzel

(Foto: Falk Wenzel) Am 11. April hatte am halleschen neuen theater das Stück Mephisto nach einem Buch von Klaus Mann Premiere, das er im Exil schrieb. Dieser Klaus Mann, Sohn von Thomas Mann, hat hier viele persönliche Erfahrungen und Befindlichkeiten einfließen lassen und es gewagt, den zur Zeit des „Dritten Reiches“ und auch danach beliebten Schauspieler Gustav Gründgens, mit dem er auch durch die kurzzeitige Ehe seiner Schwester verwandt war, kritisch zu betrachten. Dieser hatte ein enges Verhältnis zu den Machthabern des Hitlerregimes. Nur heißt dieser karrierebesessene Schauspieler bei Mann nicht Gustav Gründgens sondern Hendrik Höfgen. Doch den Nachfahren Gründgens gefiel das gar nicht und so erwirkten sie im Jahr 1966 vor einem hanseatischen Gericht, dass das Buch verboten wurde.  Im Jahr 1968 wurde das  sogar vom Bundesgerichtshof bestätigt und auch eine Verfassungsbeschwerde im Jahr 1971 änderte nichts daran. (Quelle hier )

Nachdem 1979 in Frankreich eine Bühnenfassung entstand, wurde der Roman 1981 mit Klaus Maria Brandauer verfilmt, was diesem Schauspieler zu Weltruhm verhalf. Nun also hat sich das neue theater unter Regie  der Chefdramaturgin Henriette Hörnigk dem Stoff zugewandt. Ein Laufsteg – heute  auch „Catwalk“ genannt  – trennte den Zuschauerraum. Das könnte einigen der Anwesenden an die „Revue-Zeiten“ des nt erinnern.  Die Schauspieler agierten auf dem Laufsteg oder beobachteten das Geschehen von Stühlen direkt vor den Zuschauern aus. Die Rolle des Hendrik Höfgen übernahm Hagen Ritschel, der seinen Part mit Leidenschaft spielte und am Schluss enthusiastischen Beifall bekam. Ihm zur Seite standen nicht weniger ambitioniert Harald Höbinger, Till Schmidt, Stella Hilb, Karl-Fred Müller, Bettina Schneider, Max Radestock und Alexander Pensel. Den „Präsidenten“ verkörperte Hilmar Eichhorn und Elke Richter seine Lebenspartnerin. Für musikalische Akzente sorgte Martin Reik.

Dreieinhalb Stunden (incl. Pause) dauerte die Aufführung, doch bei den Zuschauern kam keine Langeweile auf, so aktions- und handlungsreich war das Geschehen auf der Bühne. Höfgen, der zunächst auch mit den Kritikern des aufkommenden Regimes sympahtisierte, entschloss sich dann doch seiner Karriere willen den neuen Machthabern zu folgen. Das brachte einen hohen Posten am Staatstheater und weitere Vorteile ein. Halbherzig versuchte er beim „Präsidenten“ Vergünstigungen für seinen inhaftierten (ehemaligen) Freund einzufordern. Dieser Karrieresprung Höfgens war umso erstaunlicher, passte doch seine homosexuelle Lebensausrichtung überhaupt nicht in das Regime.  In der Rolle seiner Freundin Nicoletta fiel Alexander Pensel auf, der von Kostümbildnerin  Claudia Charlotte Burchard (auch Bühne)  als Gast mit einem schillernden Outfit ausgestattet wurde und seine Rolle souverän verkörperte. In der zweiten Hälfte der Aufführung konnten Hilmar Eichhorn und Elke Richter Akzente setzen.  Harald Höbinger führte als „Reporter“ durch die Handlung. Es bleibt aber zu betonen, dass die Aufführung von der Leistung des gesamten Ensembles lebte. Die Zuschauer – einige hatten wie man hörte schon lange vor der Premiere die Karten bestellt – dankten den Akteuren mit langanhaltendem Beifall und Jubelrufen.

Manns „Mephisto“ wirft die Frage nach der moralischer Verantwortung  auf dem  Weg zum persönlichen Erfolg auf, die auch heute nicht an Aktualität verloren hat. Dass der Autor des Stückes, Klaus Mann, auch ein innerlich Getriebener war, zeigt seine Drogensucht und sein Selbstmord im Jahr 1949.

Nächste Vorstellungen: 18.04.2015 19:30* 30.04.2015 19:30 *02.05.2015 19:30

Gisela Tanner