Auch Puppen haben es nicht leicht – 1000 und eine Puppe am halleschen Puppentheater

Foto: Bühnen Halle, Copyright by Falk Wenzel
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Es ist schon tragisch, nur weil es mit der Ausreise in den “goldenen” Westen nicht geklappt hat, verpasst der Puppenbauer in den 1080er Jahren einer Puppe ein so hässliches Gesicht, dass sie noch heute von allen gehänselt wird. Oder ist das alles nur ausgedacht? Christoph Werner führt uns mit seinem Team in dem Stück “1000 und eine Puppe” in die bewegte Welt der Theaterpuppen. Die Puppenspieler verschwinden die gesamte Zeit des Spiels hinter schwarzer Bekleidung und Gesichtsmasken. Diese Veranstaltung gehört nur den Puppen, und diese unterhalten die Zuschauer zwischen einem Kaspertheater der alten Schule und einem Bartresen köstlich, ja, und lernen kann man auch noch etwas dabei. Regelmäßige Besucher des Theaters hatten so manches Déjà-vu.

Irgendwie läuft es ja im Puppenleben ähnlich wie beim Menschen ab, Konkurrenzkampf, große Liebe und Lust und festgelegte Hierarchien, da kommt zuerst die Handpuppe, dann die Marionette und die Krönung der Puppenschöpfung sind die Vierfüßler. Die einen sind nur bis zur Taille zu sehen, andere können sich zwar bewegen – und das sehr würdevoll, aber nicht greifen und die Vierfüßler müssen mindestens von zwei Puppenspielern geführt werden. Aber wer will schon ganz unter in der Hierarchie stehen? Streit ist angesagt und selbst im Fundus geht es munter zu.  Eine Puppe versucht sich gar als Bauchredner.

Zur historischen Betrachtung des Puppenspiels wurde extra eine Professorin hinzugezogen. Ihre Stimme hört man nur aus dem Hintergrund, ein Video mit bezaubernden Zeichnungen demonstriert die Entwicklung, die auch von Herrn Shakespeare beeinflusst wurde. Wir treffen alte Bekannte wieder wie den schwermütigen Maurice Ravel. Aus allen Gegenden der Nation scheinen die Puppen zu kommen, von hallesch über norddeutsch bis hin zu hochdeutsch mischen sich die Dialekte. Die Zuschauer haben auf jeden Fall ihren Spaß und dürfen auch mal Fragen beantworten oder dem Spieler in die Puppe helfen.

Ein munteres Stück, das Christoph Werner da seinen Zuschauern geboten hat und eine Meisterleistung der Puppenspieler Katharina Kummer, Sylvia Werner, Nils Dreschke, Sebastian Fortak und Lars Frank . Die Ausstattung übernahm Angela Baumgart, das Video schuf Conny Klar als Gast, Dramaturgie von Ralf Meyer und Musik von Sebastian Herzfeld als Gast.

Das Spiel “1000 und eine Puppe” reiht sich in den Reigen der Veranstaltungen und Ausstellungen anlässlich des 60jährigen Puppentheaterjubiläums unter dem Motto Doppelgänger ein.

Die nächsten Vorstellungen sind am 06.05., 30.05. und 31.05.2014 zu erleben.

Gisela Tanner www.tannertext.de

Foto: Bühnen Halle, Copyright by Falk Wenzel