Arbeitskreis Innenstadt zum geplanten Abriss des Planetariums auf der Peißnitz

akiWie der Arbeitskreis Innenstadt mitteilt, hat das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt kürzlich die von der Stadt Halle beantragten Mittel für den Abriss des alten Planetariums auf der Peißnitzinsel bewilligt. Der Abriss scheint damit fast besiegelt, über den architektonischen Wert des Gebäudes ist dabei fast nicht gesprochen worden.

Noch könnte der Abriss abgewendet werden, so der Arbeitskreis. Die Stadt könnte auf die bewilligten Abrissmittel verzichten, wie es bei der Fluthilfe auch an anderen Stellen schon geschehen ist, und das Gebäude neuen Nutzern bzw. Eigentümern übertragen. Interessenten dafür gibt es und Nutzungsvorschläge liegen ganz konkret vor.

Der Beitrag des Arbeitskreis Innenstadt im original Wortlaut:

Letzte Chance: Planetarium

Das Landesverwaltungsamt hat kürzlich die von der Stadt Halle beantragten Mittel für den Abriss  des alten Planetariums auf der Peißnitzinsel bewilligt. Der Abriss scheint damit fast besiegelt, über  den architektonischen Wert des Gebäudes ist dabei fast nicht gesprochen worden. Doch auch  losgelöst von seiner ehemaligen Nutzung stellt das Planetarium auf der Peißnitzinsel ein einzigartiges bauliches Zeugnis der DDR-Moderne dar (s. Hallesche Blätter 44). Natürlich gibt es in Halle  noch andere Gebäude, die in HP-Schalenbauweise errichtet wurden – aber mit Sicherheit keines, das in der Auslotung seiner technischen Möglichkeiten eine solch eindringliche Form und Kreativität aufweisen würde. Paradoxerweise ist der Erfinder der HP-Schale Herbert Müller im vergangenen Jahr mit einer Ausstellung im Stadtmuseum gewürdigt worden, aktuell wird über die
Errichtung eines Denkmals für die Ostmoderne in Halle-Neustadt mit einer HP-Schale als zentralem Element diskutiert. Gleichzeitig wird unbekümmert eine der bedeutendsten und interessantesten Anwendungen der HP-Schale preisgegeben – die doch dem Gedanken eines solchen Denkmals bestens entspricht!

Ein zwingender Grund für den Abrisswillen ist nicht erkennbar. Allerdings drängen sich Parallelen  zum Künstlerhaus 188 auf: angeblich sind im Falle der Erhaltung Fördergelder in Gefahr. So wie sich beim 188 durch die Anfrage eines Bürgers herausstellte, dass sich die Stadtverwaltung gar nicht nach einer Alternative zum Abriss erkundigt hatte (s. Hallesche Blätter 45), so scheint auch beim Planetarium eine offizielle Anfrage beim Fördermittelgeber nicht in Frage zu kommen. Ein ernsthaftes Nachdenken über Alternativen zum Abriss ist genauso wenig erkennbar wie das Einleiten konstruktiver Schritte für ein Nachnutzungsmodell. Um es noch einmal zusammenzufassen: In der Stadtratssitzung vom 26.11.2014 wurde beschlossen, für den Umzug des
Planetariums an einen neuen Standort (Gasometer auf der südlichen Salineinsel) Mittel aus dem Fluthilfefonds zu beantragen. Der Fördermittelantrag beinhaltete den Abriss des von der Flut geschädigten, aber wohl kaum in seiner Standfestigkeit gefährdeten alten Planetariums auf der Peißnitzinsel, das – so die Argumentation der Stadtverwaltung – für keinerlei Nutzung mehr tauglich sei. Während der Sitzung legte die Grüne Stadtratsfraktion dem Oberbürgermeister ein Schreiben des Landes-Bauministeriums vor, aus dem hervorgeht, dass der Abriss keine Vorbedingung für einen positiven Fördermittelbescheid zum Gesamtprojekt sei. Wörtlich: „Der Ersatzneubau setzt nicht zwingend den Abriss voraus. Der Abriss wäre jedoch zusätzlich aus dem Fluthilfefonds förderfähig.“1 Ohne auf dieses Argument inhaltlich einzugehen, erklärte der Oberbürgermeister das Schreiben für nichtig, da er den Absender für nicht zuständig hielt. Ein Bemühen der Stadt um Klärung ist bis heute nicht erkennbar. Stattdessen wird weiterhin suggeriert, es handele sich beim Abriss um eine zwingende Vorbedingung für den Umzug an den neuen Standort.

Nun liegt die Bewilligung für den ersten Projektabschnitt vor. Für die Beseitigung des Altbaus stehen 140.000 Euro zur Verfügung. Die aktuelle Beschlusslage ermöglicht den nächsten Schritt:
die Ausschreibung des Abrisses und schließlich die für Herbst geplante Beseitigung des Gebäudes. Spätestens wenn Verträge mit Abrissunternehmen unterzeichnet werden, entstehen Kosten für die Stadt. Dieser Prozess könnte noch aufgehalten werden. Aber nur bei zügigem Handeln innerhalb der nächsten Wochen. Wenn die Stadtverwaltung  jetzt gegenüber dem Fördermittelgeber signalisiert, dass der Umzug des Planetariums vom alten Gebäude abgekoppelt werden soll, wäre noch folgende Lösung denkbar: Die Stadt verzichtet auf die bewilligten Abrissmittel, wie es bei der Fluthilfe auch an anderen Stellen schon geschehen ist, und überträgt das Gebäude neuen Nutzern bzw. Eigentümern. Interessenten dafür gibt es und Nutzungsvorschläge liegen ganz konkret vor:

für temporäre Ausstellungen und Veranstaltungen, die nur wenig technische Infrastruktur benötigen und bei Überflutungsgefahr kurzfristig abgesetzt werden können.
Der zweite Teil des Antrags – der Umzug des Planetariums in das dafür umzubauende Gasometer  am Holzplatz, ein zweifellos attraktives und originelles Konzept – bliebe davon unberührt. Wir appellieren deshalb an dieser Stelle noch einmal eindringlich an die Verantwortlichen und an die Öffentlichkeit, sich für den Erhalt des Planetariumbaus von Herbert Müller und Klaus Dietrich einzusetzen. Der von der Stadt Halle berufene Gestaltungsbeirat hat dies in seiner letzten Sitzung vom 27. April ausdrücklich getan. Es bleibt auf die Einsicht von Stadtverwaltung und Stadtrat zu hoffen, diesem kompetenten Rat zu folgen.

Ruth Heftrig