Arbeitskreis Innenstadt über die Bürgerversammlung zur Zukunft des Böllberger Wegs 188

akiÜber die nicht erteilte Abrissgenehmung für das Künstlerhaus 188 seitens des Landes gibt es von Enttäuschung bis Zustimmung unterschiedliche Auffassungen. Der Arbeitskreis Innenstadt hat uns eine Meldung zur Bürgerversammlung zur Zukunft des Böllberger Wegs 188 geschickt:

„In den letzten Tagen wurden mit starker Rhetorik immer wieder Ängste geschürt, wegen der nicht erteilten Abrissgenehmigung für das Baudenkmal Böllberger Weg 188 stünde das gesamte Stadtbahnprogramm mit 300 Mio. EUR Fördermitteln für die Stadt Halle in Frage. Erfreulicherweise verlief die Diskussion in der vom Arbeitskreis Innenstadt organisierten Bürgerversammlung am 17. Juni differenzierter. Es wurde deutlich, dass parallel zu der von der HAVAG angestrebten Klage durchaus nach alternativen Lösungen gesucht wird. Dies scheint auch sehr geraten. Zunächst ist ja davon auszugehen, dass das Kultusministerium eine gesetzeskonforme Entscheidung getroffen hat. Es also keineswegs als sicher anzunehmen, dass ein Gericht zu einem anderen Ergebnis kommt. Und wenn von Zeitverzug für Neuplanungen die Rede ist, der die Fördermittel gefährde, so bedeutet der gerichtliche Weg mindestens ebenso einen Zeitverzug, auf den die Beteiligten zudem noch sehr viel geringeren Einfluss haben. Stures Beharren wird also nicht weiterführen.

Der Ansatz für neue Gespräche mit den Fördermittelgebern liegt auch auf der Hand: Ausnahmen vom regelkonformen Straßenausbau werden nur genehmigt, wenn dieser nicht umsetzbar ist. Hier ist er nach der versagten Abrissgenehmigung nun nicht umsetzbar – aus guten Gründen. Kultusminister Stephan Dorgerloh ist voll beizupflichten, wenn er feststellt, dass man nicht einerseits den Welterbetitel für die Franckeschen Stiftungen beanspruchen kann und andererseits in der direkten Nachbarschaft kulturelles Erbe beseitigt, um Gelder abzuschöpfen.

Kompromisslösungen sind gefragt, alternative Planungsvarianten für den innerhalb des gesamten groß angelegten Stadtbahnprogramms verschwindend geringen Streckenabschnitt liegen ja vor und wurden auch auf der Bürgerversammlung demonstriert. Keine dieser Varianten ist optimal, machbar wären einige aber schon, wenn der Wille dazu da ist.

Dass es vor allem an diesem Willen mangelt, wird deutlich, wenn in der Argumentation nebenbei auch immer wieder die problematische Nutzung des Hauses beklagt, gar von „Verfall“ gesprochen wird. Die Nutzungsfrage ist zweifellos wichtig, nur darf sie nicht als Krücke für die Durchsetzung von Verkehrsplanungen herhalten. Um das Künstlerhauskonzept fortzuführen, muss es auf eine neue Basis gestellt werden, ob im 188 oder an anderer Stelle. Der Künstlerhausverein kann dabei auf die Unterstützung von Stephan Schirrmeister vom Haushalten Halle e.V. bauen, der mit seinen Erfahrungen durchaus Potenziale für das Haus sieht und dies auf der Bürgerversammlung deutlich gemacht hat. Alternativ besteht in Halle in naher Zukunft offensichtlich auch wieder Bedarf an Gebäuden für Schulnutzungen – hier steht eines bereit.

Auf der Bürgerversammlung haben sich auch zahlreiche Anwohner zu Wort gemeldet und einhellig für den Erhalt des Gebäudes ausgesprochen. Die öffentliche Aufmerksamkeit, die das Haus von verschiedensten Seiten erfährt, ist bemerkenswert. Sie bestätigt, dass der Denkmalschutz eine wichtige öffentliche Aufgabe ist, die nicht gegen Verkehrsprojekte ausgespielt werden darf, so wichtig diese Verkehrsprojekte auch sind. Sollte das Stadtbahnprogramm Schaden nehmen, trägt nicht der Denkmalschutz die Verantwortung, sondern eine zu früh einseitig festgelegte Planung.“

Wie es letzendlich mit dem Künstlerhaus und den geplanten Baumaßnahmen des Stadtbahnprogramms weitergeht bleibt spannend, wir werden berichten.