Am neuen theater in Halle herrscht „der nackte Wahnsinn“

Foto: Falk Wenzel v.l.n.r.: Sonja Isemer (Brooke Ashton/ Vicki), Alexander Pensel (Garry Lejeune/ Roger Tramplemain), Bettina Schneider (Belinda Blair/ Flavia Brent)
Foto: Falk Wenzel v.l.n.r.: Sonja Isemer (Brooke Ashton/ Vicki), Alexander Pensel (Garry Lejeune/ Roger Tramplemain), Bettina Schneider (Belinda Blair/ Flavia Brent)
Foto: Falk Wenzel
v.l.n.r.: Sonja Isemer (Brooke Ashton/ Vicki), Alexander Pensel (Garry Lejeune/ Roger Tramplemain), Bettina Schneider (Belinda Blair/ Flavia Brent)

[Foto: Falk Wenzel] Hat sich etwa jemand zur Premiere des Stückes der „nackte Wahnsinn“ am nt in Halle gelangweilt – kaum vorstellbar! Was da auf der Bühne abging,  brachte selbst den gelassensten Zuschauer aus der Fassung.   Obwohl Michael Frayn die Komödie mit Originaltitel „Noises off“ schon vor 30 Jahren geschrieben hat, sorgt sie auch heute noch für Heiterkeitsstürme. Kein Wunder, können die Schauspieler doch endlich einmal von ihrem täglichen „Elend“ berichten.

Gleich dreimal hintereinander das gleiche Stück, und doch immer wieder anders und in Halle bestens besetzt, so lässt man es sich gefallen.  Auf geht’s, Regisseur Lloyd Dallas  (Harald Höbinger), hoch qualifiziert  und kurz vor der Premiere noch die Lockenwickler für die Dauerwelle am Kopf, muss mittelmäßige Schauspieler dazu bringen, eine annehmbare Leistung auf die Bühne zu bringen. Da ist Regie-Assistentin Poppy Norton-Taylor (Petra Ehlert) auch nur bedingt hilfreich, sie ist zwar sehr diensteifrig und hetzt von Aufgabe zu Aufgabe, aber am Feingefühl für den Umgang mit den sensiblen Schauspielern fehlt es doch ein wenig. Dotty Otley (Danne Suckel) wirft sich mit Enthusiasmus und schriller Stimme in ihre Rolle als Haushälterin Mrs. Clackett, trägt meistens Hosen in Knall-Pink, vergisst aber öfter mal ein Utensil – in diesem Fall meist Sardinen.

Aufgedreht und über die Bühne tänzelnd stürmt ein junges Liebespaar herein, Garry Lejeune als Roger Tramplemain (Alexander Pensel) und Brooke Ashton als Blondine Vicki (Sonja Isemer). Zauberhaft, die choreographische Leistung der beiden, reifere Zuschauer wird Sonja Isemer ein wenig an Ingrid Steeger in der Fernsehserie „Klimbim“ (70er Jahre) erinnern. Bevor es sich die beiden im scheinbar unbewohnten Haus gemütlich machen können, kommen die Bewohner doch zurück, sie fliehen vor der „Steuer“.  Nicht leicht für Frederick Fellowes  als Philip Brent (Matthias Walter) und Belinda Blair als Flavia Brent (Bettina Schneider diesmal mit dunkler Perücke), sind sie doch an ein mondänes Leben gewöhnt und außerdem geschehen unerklärlich Dinge im Haus. Da knallen Türen, Kleidungsstücke verschwinden und die Schauspieler verhaken sich öfter mal in der Kulisse. Zu allem Übel spricht  Selsdon Mowbray als Einbrecher (Peter W. Bachmann) sehr dem Alkohol zu und muss besonders behandelt und kontrolliert werden. Glücklichwerweise gibt es Tim Allgood als Inspizienten und Bühnenmeister (Andreas Range), er versucht Ordnung in das Chaos zu bringen.

Damit der geneigte Zuschauer auch einen Eindruck bekommt, was sich während der Vorstellung hinter der Bühne abspielt, wird diese im nt-Saal einfach gedreht und es folgt das gleiche Stück von „hinten“, und damit nicht genug, nach der Pause dürfen die Zuschauer noch einmal bei der letzten Aufführung dabei sein. Aber keine Angst, es ist immer wieder anders!

Eine wunderbare Kommödie hat das Team um Regisseurin  Henriette Hörnigk da auf die Bühne gezaubert.

Gisela Tanner