Am neuen theater Halle wartet man jetzt auf Godot

Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, (c) Hardy Mako - Reinhard Straube und Wolfgang Winkler (v.l.n.r.)
Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, (c) Hardy Mako - Reinhard Straube und Wolfgang Winkler (v.l.n.r.)
Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, (c) Hardy Mako – Reinhard Straube und Wolfgang Winkler (v.l.n.r.)

Bis auf den letzten Platz waren die Reihen im neuen theater Halle zur Premiere von „Warten auf Godot“ gefüllt. Intendant Matthias Brenner höchstpersönlich hatte als Regisseur zum Stück von Samuel Beckett eingeladen, das erstmals in Halle zur Aufführung kam. Als Akteure hat sich Brenner eine illustre Schar von Schauspielern ausgesucht, Reinhard Straube, Hilmar Eichhorn, Axel Gärtner und als Gäste die in den Ruhestand versetzten Polizeiruf-Kommissare Jaecki Schwarz (Schmücke) und Wolfgang Winkler (Schneider).

Der Titel des Stückes „Warten auf Godot“ ist Programm, man wartet – worauf eigentlich – beschäftigt sich und wartet wieder. Zwischendurch lernt man neue Weggefährten kennen, und die haben es in sich. Nach einer Weile trifft man sich wieder, erinnert einander kaum noch und wartet weiter. Dank der erfahrenen Akteure kommt trotz der scheinbar eingeschränkten Handlung keine Langeweile auf. Brenner lässt die Schauspieler gewähren und das ist gut so. Die zurückhaltende Bühne (Jens Richter) und die Kostüme (Claudia Hoppe) geben den fünf Akteuren viel Raum.

Den Handlungspfad bestimmen die zwei Landstreicher Wladimir (Reinhard Straube) und Estragon (Wolfgang Winkler), die sich zu einem öden Ort – nur ein einziger Baum – begeben, dort warten und sich allerlei Gedankenspielen hingeben. Aber zu mehr reicht es nicht, was ist z.B. mit Erhängen? Zu schwierig, wer soll es zuerst tun? Wer ist eigentlich Herr Godot, niemand weiß es. Nur eins ist sicher, die Beiden können nicht weg, denn sie warten auf ihn. Vom Thalia Theater hat Brenner noch Axel Gärtner hinzugenommen, der den agilen Jungen spielt, die einzige Verbindung zu Herrn Godot.

Doch dann kommt Bewegung in den Landstreicheralltag. Pozzo (Hilmar Eichhorn ) und Lucky ( Jaecki Schwarz) kreuzen ihren Weg, ein Herr und sein Knecht. Herzzerreißend, wie Jaecki Schwarz den gequälten Diener spielt, man möchte ihm einen bequemen Stuhl bringen und trösten. Jede Bewegung fällt ihm schwer und er muss ständig wie ein Packesel bei seinem Herrn sein, den Stuhl um den Hals gehängt, die Koffer und den Speisekorb an den Armen und auf Wunsch auch die Peitsche im Mund – sein Herr Pozzo züchtigt ihn des Öfteren damit. Zu allem Übel führt ihn sein Herr auch noch an der Leine. Nur einmal darf er reden, als er den Befehl bekommt zu denken.

Die Landstreicher sind ratlos, wie sollen sie mit dem ungleichen Paar umgehen? Irgendwann löst sich die Situation auf, aber man trifft sich wieder. Wann eigentlich? Inzwischen hat der kahle Baum Blätter bekommen, Lucky ist stumm und Pozzo blind. Die beiden registrieren es, aber sie können nicht weg, wir wissen schon, sie warten auf Godot.

Gisela Tanner www.tannertext.de

Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, (c) Hardy Mako – Reinhard Straube und Wolfgang Winkler (v.l.n.r.)

Nächste Vorstellungen: 11.04.2014 19:30 und 22.04.2014 19:30