Adriana Lecouvreur – große Gefühle an der halleschen Oper

v.l.n.r.: Bruno Ribeiro (Maurizio, Graf Von Sachsen), Ks. Romelia Lichtenstein (Adriana Lecouvreur) - © Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, Foto: Anna Kolata
 v.l.n.r.: Bruno Ribeiro (Maurizio, Graf Von Sachsen), Ks. Romelia Lichtenstein (Adriana Lecouvreur) -  © Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, Foto: Anna Kolata

Bruno Ribeiro (Maurizio, Graf Von Sachsen), Ks. Romelia Lichtenstein (Adriana Lecouvreur) – © Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, Foto: Anna Kolata

[©Foto: Anna Kolata] Opernregisseure neigen ja in der Neuzeit häufig dazu, bekannte Werke zu modernisieren oder zu entfremden, zumindest was das Bühnenbild und die Kostüme betrifft. Ganz anders ging es da am Samstag am halleschen Opernhaus zu. Unter der musikalischen Leitung von Josep Caballé-Domenech und mit Regisseur Ulrich Peters entstand eine Operninszenierung im besten klassischen Sinne.

Zur Aufführung kam „Adriana Lecouvreur“ von Francesco Cilea mit einem Libretto von Arturo Colautti. Das Schauspiel „Adrienne Lecouvreur“ von Eugène Scribe und Ernest Legouvé gab die Idee zur Oper. Auch wenn Cileas Werk nicht zu den bekanntesten gehört, überrascht es das Publikum mit eingängigen Melodien, Arien und Chören. Dazu muss man wissen, das Cilea ein Zeitgenosse Puccinis war.

Solisten der Oper, der Chor und das Ballett konnten in aufwendiger Bühnendekoration und in glamourösen Kostümen (beides Christian Floeren)  ihre Liebe zum Musiktheater ausleben. Die Handlung der Oper, die 1902 entstand, ist schnell erzählt. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts kam die Schauspielerin Adrienne Lecouvreur ins Gerede, sie hatte ein Verhältnis mit Prinz Moritz von Sachsen und starb mit nur 37 Jahren. Eine Nebenbuhlerin – Fürstin von Bouillon – soll sie mit einem präparierten Veilchenstrauß vergiftet haben.

In der Rolle der Adriana Lecouvreur glänzt Kammersängerin Romelia Lichtenstein mit all ihren stimmlichen Facetten und  – the show must go on – trotz Fuß-Verletzung  beim Abgang zur Pause zeigt sie Präsenz bis der letzte Vorhang fällt. Ihr zur Seite stand Svitlana Slyvia als Nebenbuhlerin  Fürstin von Bouillon. Die Sängerin mit beeindruckender Mezzosopranstimme gehört seit dieser Spielzeit zum Ensemble der Oper Halle und hat hier u.a. die Rolle der Carmen übernommen. Ja, und was wäre eine Oper ohne Tenöre, in Halle hat Bruno Ribeiro als  Maurizio, Graf von Sachsen, diesen Part übernommen und begeistert mit seiner klangvollen hochemotionalen  Stimme.

Ki-Hyun Park als Fürst von Bouillon und  Kwang-Keun Lee als unglücklich verliebter Michonnet sangen sich genauso in die Herzen der Zuschauer wie Ralph Ertel, Linda van Coppenhagen, Olivia Saragosa, Robert Sellier und Ulrich Burdack.  Bei der musikalischen Umsetzung ist die Hand des Orchesterchefs, Josep Caballé-Domenech, deutlich zu spüren. Dank Musikern, Sängern und Tänzern wurde die Premiere ein rauschendes Bühnenfest in glanzvoller Kulisse. Das Publikum hielt denn auch seine Begeisterung nicht zurück und dankte mit lang anhaltendem jubelndem Beifall.

Gisela Tanner