100 Tage für die Kunst – die documenta 14 in Kassel

Marta Minujin - Pantheon der Bücher

[Marta Minujin – Pantheon der Bücher] Sie dauert 100 Tage und findet nur alle 5 Jahre statt, die documenta in Kassel. Im Jahr 2017 lockt sie in ihrer 14. Auflage vom 10. Juni bis zum 17. September Liebhaber der zeitgenössischen Kunst aus aller Welt in die bekannte hessische Stadt. Künstlerischer Leiter ist Adam Szymczyk. Neu ist in diesem Jahr, dass  noch ein zweiter gleichberechtigter Standort – in Athen – hinzugekommen ist. Dort öffnete die ducumenta vom 8. April bis zum 16. Juli 2017.

Die 47 Ausstellungsorte sind über das gesamte Stadtgebiet von Kassel verteilt, zu betrachten sind Kunstwerke, die alle Sinne ansprechen, von Gemälden, Zeichnungen, Fotografien über Installationen, Video- und akkustische Arbeiten. Die Wirkung ist manchmal angenehm, manchmal aufschreckend, aber immer eine Diskussion wert.

Rund um den Friedrichsplatz laden u.a. die Documenta-Halle und das Friedericianum ein. Unübersehbar ist dort das „Pantheon der Bücher“, das sich in der Größe an dem historischen Originalbauwerk  in Athen orientiert. Die Künstlerin Marta Minujin hat zum Sammeln von Büchern, die irgendwo auf der Welt verboten sind und waren, aufgerufen. Diese wurden (und werden) einzeln eingeschweißt und dann zu dem riesigen Mahnmahl gegen die Zensur zusammengefügt. (Foto oben)

documenta 14

Vom Friedrichsplatz über die „Schöne Aussicht“ führt der Weg zum „Palais Bellevue“ und zur „Neuen Galerie“. Dort fällt u.a. das Werk von Pélagie Gbaguidi „The missing Link“ auf. Was zunächst eine optische Erbauung ist – die weißen bemalten Stoffbahnen   – entpuppt sich dann als Kritik am Rassenhass, wenn man sich die Fotos auf den dazugehörigen Schulbänken genauer anschaut.

documenta 14

Ebenfalls in der Neuen Galerie erregt ein Werk von Janine Antoni mit dem Titel „Slumber“ Aufmerksamkeit. Ein Bett, in dem sie schlief, ist zu sehen in Verbindung mit einem Webstuhl und einem EEG-Gerät. Was der Webstuhl mit ihren Träumen zu tun hat, erfährt der Besucher in der Ausstellung.

documenta 14

Auch wenn das „Pantheon aus Büchern“ am Friedrichsplatz alles überragt,  fällt das Werk „When We Were Exhaling Images“ des kurdischen Künstlers 
Hiwa K. vor der documenta Halle  auf, das in Zusammenarbeit mit dem Diplomstudiengang Produktdesign, Prof. Jakob Gebert, Kunsthochschule Kassel entstanden ist. Zwanzig Betonröhren sind neben- und übereinander gestapelt und wurden wohnlich eingerichtet.  Eine Erinnerung an die Wohnsituation weltweit.

documenta 14

Für alle sichtbar steht der 16,3 m hohe Obolisk von Olu Oguibe aus den USA auf dem Königsplatz – „Das Fremdlinge und Flüchtlinge Monument“. Es wird bestimmt von einem Bibel Zitat (Matthäus) „Ich war ein Fremdling, und Ihr habt mich beherbergt.“  Das Zitat ist auf Deutsch, Türkisch, Arabisch und Englisch zu lesen.

Das ist nur eine sehr geringe Auswahl an Kunstwerken und stellt keinesfalls eine Wertung dar. Die hier aufgeführten Werke im Freiraum – der Obolisk und das Pantheon und „When We Were Exhaling Images“ – sind öffentlich zugänglich. Eintrittskarten können vor Ort oder über das Internet gelöst werden.

Die Öffnungszeiten eines gesammten Tages reichen nicht aus, alle Werke der Ausstellung zu erfassen. Wer sich intensiv mit der documenta befassen möchte, sollte mehrere Tage nach Kassel reisen. Es gibt auch 2-Tages- und Feierabendtickets.
Informationen zu Künstlern, Ausstellungsorten, Öffnungszeiten, Eintrittspreisen und mehr gibt es auf der Webseite der documenta 14.

Gisela Tanner